Samarkand - Die Karawane zieht weiter - Usbekistan 2026 - 5
Shakhrisabz und die Fahrt nach Tashkent
Ins Ferganatal und zurück nach Deutschland
Samarkand
Um 8 Uhr hat es bereits 25°C. Morgen soll es hier bis zu 41°C heiß werden. Gut, dass wir nach Samarkand weiterfahren. Dort soll es wie in den letzten Tagen bei 31 oder 32 Grad bleiben.
Die Fahrdauer laut Beschreibung soll 4,5 Stunden betragen. Trotz zügiger Fahrweise werden es wohl eher knapp 6 werden. Die Fahrt ist ziemlich langweilig. Auch wenn wir nicht mehr durch eine Steppe fahren, gibt es nicht viel zu sehen. Unser Kleinbus bietet zwar reichlich Platz für die kleine Gruppe, trotzdem wünsche ich mir das eine oder andere Mal einen richtigen Bus herbei. Aber man kann nicht alles haben.
Mittags halten wir an einer Tankstelle mit angeschlossenem Laden, in dem es Kaffee, andere Getränke und Kleinigkeiten zum Essen gibt. Ich schenke es mir - ich hatte genug zum Frühstück und seitdem auch nur gesessen.
Da wir erst gegen halb drei in Samarkand ankommen, fahren wir nicht ins Hotel, sondern starten direkt unsere Besichtigung. Etwa 4 Stunden soll die dauern.
Wir beginnen mit dem Gur-Emir-Mausoleum [↗], der Begräbnisstätte des hier mittlerweile wieder verehrten Herrschers. Ähnlich wie bei den Mongolen und Dschingis Khan [↗] muss man die Wahl als Ausländer nicht unbedingt verstehen.
Zu Fuß geht es weiter zum wohl berühmtesten Platz in Usbekistan, dem Registan [↗]. Registan heißt auf Farsi „sandiger Platz“, womit ein Marktplatz gemeint war. Farsi ist selbst heute noch die Verkehrssprache in Samarkand und Buchara. Ein Zeichen für die Bedeutung der beiden Städte als Handelsplätze im Mittelalter.
Rings um den Platz stehen heute große, ehemalige Koranschulen. So beeindruckend der Platz selbst ist, so wenig Interessantes gibt es im Inneren. In den kahlen Räumen gibt es ein paar Vitrinen mit Ausstellungsstücken. Nur wenige Räume sind schön ausgeschmückt. Die ehemaligen Studienzimmer dienen fast alle als Verkaufsräume für immer wieder den selben Kram. Trotzdem kann man hier leicht eine Stunde verbringen. Will man tatsächlich hier nach Souvenirs suchen, natürlich entsprechend länger.
Weiter geht es zur Bibi-Moschee [↗]. So langsam fängt eine Moschee an, wie die nächste auszusehen. Die Bibi-Moschee ist eine der weniger schön renovierten. Ich hole noch nicht mal die Kamera aus dem Rucksack.
Es gibt aber eine ganze Reihe von Geschichten und Mythen, die sich um die Frau von Timur ranken. Die unterschiedlichen Guides erzählen die Geschichte immer wieder leicht abgewandelt, aber im Prinzip geht es um den Architekten der Moschee und seinen Versuch, die Frau zu verführen. Der Herrscher war davon natürlich wenig begeistert, und so ist die Moschee auch unvollendet geblieben.
Zum Abschluss geht es zum benachbarten großen Siyob-Basar [↗]. Abgesehen von der kleinen Ecke mit Gemüse glaube ich nicht, dass Einheimische hier einkaufen. Es gibt den üblichen Mischmasch aus Gewürzen, Tee, Keramik und Kleidung. Alles schön sortiert und die Bereiche in Englisch beschriftet.
Mittlerweile haben wir 18:30 Uhr, und man merkt der Gruppe an, dass die Motivation schon lange raus ist. Alle sind froh, dass es jetzt ins Hotel und dann zum Essen geht.
Auch hier verlasse ich am nächsten Morgen um kurz nach 6 Uhr das Hotel, um ungestört von den Menschenmassen zu fotografieren. Mein Ziel ist der Registan-Platz, an dem wir ja schon gestern Nachmittag waren. 2,2 km soll der direkte Weg lang sein. Das Gur-Emir-Mausoleum liegt auch fast auf dem Weg, sodass ich auf dem Rückweg auch dort noch mal vorbeischauen kann.
Kurz nach dem Start komme ich an der Seidenstraßen-Universität [↗] vorbei. In dem kleinen Park stehen nette Figuren. Ein Stück laufe ich der Universitätsallee entlang. Hier gibt es repräsentative Bauten aus der Zarenzeit, aber auch einen chinesischen Park. Rechts liegt nun das Gur-Emir-Mausoleum, und schon bald bin ich auf dem Weg, den wir gestern genommen haben.
Der Registan-Platz ist um diese Zeit weitgehend leer. Offiziell geöffnet ist er noch nicht, aber einige Hochzeitsfotografen und andere sind bereits drinnen. Gegen eine entsprechende „Spende“ hätte ich auch hinein gekonnt, aber darauf verzichte ich.
Wie geplant laufe ich noch einen kleinen Schlenker zum Mausoleum, aber so wirklich rentiert es sich nicht. Mittlerweile ist es kurz nach sieben, und die erste große Reisegruppe wartet bereits vor dem Eingang.
Nach genau 1,5 Stunden bin ich zurück am Hotel. Es folgt das Übliche: Duschen, ein eher maues Frühstück, und um 9 Uhr geht es in den Bus, um die etwas außerhalb gelegenen Ziele zu besichtigen.
Erstes Ziel ist die Nekropole Schah-i-Zinda [↗]. Die Totenstadt stammt aus der Zeit von Timur, auch wenn die Nutzung des Gebietes als Friedhof viel älter ist. Hier stehen entlang eines Weges eine ganze Reihe Mausoleen. Viele von ihnen sind prächtig ausgestattet und schön renoviert. Für mich, und wohl auch viele andere, das Highlight in Samarkand.
In einem benachbarten modernen Friedhof bekommen wir die islamische Beerdigungszeremonie erklärt. Ein kurzer Stop in Ex-Präsident Karimovs [↗] Mausoleum, und weiter geht es mit dem Bus zu dem nur ein paar Hundert Meter entfernten Afrosiab-Museum [↗].
Das Museum zeigt die Ausgrabungen der benachbarten Alten Stadt Samarkand. Von ca. 800 vor Christus, über die Eroberung durch Alexander den Großen [↗] bis ins frühe Mittelalter. Die meisten Stücke sind von 500-800 n. Chr.
Über eine unscheinbare Treppe kommt man auch ins Obergeschoss. Dort sieht die Ausstellung aber noch sehr provisorisch aus. Die Ausgrabungsstelle selbst ist Ödland. Wer nicht für das Museum kommt, kann sich den Ausflug sparen.
Mittlerweile ist es kurz vor 13 Uhr, und wir quälen uns ein wenig. Es hat 32°C und es weht ein leichter Wind. Eigentlich ganz angenehm, und trotzdem.
Das vorletzte Ziel ist das Grab Daniels [↗]. Wir gehen die Treppe hinauf, setzen uns in den Schatten und lassen uns mit der Geschichte des Propheten bedudeln. Was hier liegt, ist aber nicht die Leiche, sondern angeblich eine Tüte Sand vom eigentlichen Grab. Neben dem Grab gibt es noch einen 600 Jahre alten Pistazienbaum, eine heilige Quelle und hinter einer abgeschlossenen Holztür eine Betstelle der Zoroastrier.
Das letzte Ziel ist das Observatorium [↗] des Ulug Beg, oder was davon übrig ist. Das ist nicht viel: Ein langer, überdachter Gang. Daneben hat man noch ein Museum gebaut, in dem man einiges über Astronomie, sein Leben und seinen Einfluss auf die europäische Wissenschaft erfährt.
Um 14:30 Uhr sind wir zurück am Hotel. Wir hatten gestern ausgemacht, dass nicht ganz so viel erzählt wird und wir stattdessen nachmittags Pause oder Zeit für eigene Aktivitäten haben. Bevor ich aufs Zimmer gehe, hole ich mir noch ein paar Kekse und einen Saft. Das sollte erst mal reichen.
Um 19 Uhr treffen wir uns, um zu einer Familie zu fahren und das usbekische Nationalgericht Plov zu essen. Das ist so etwas wie ein Reis-Eintopf mit Fleisch. Das Essen „bei der Familie“ ist dann eher „in einem Familienrestaurant“. Im Innenhof sind Tische aufgebaut, und außer uns ist eine weitere SKR- und noch eine andere Gruppe vor Ort. Das Plov ist sehr fettig und das Fleisch eher mau - kurz gesagt: Nicht mein Ding. Generell ist das Essen hier eher deftig und einfach. Vegetarier oder gar Veganer dürften es hier schwer haben. Was aber sehr gut ist sind die Süßigkeiten - von Baklava bis hin zu Torten.
Kurz nach 21 Uhr sind wir dann noch einmal am Registan, um diesen beleuchtet fotografieren zu können. Ich habe mich schon im Vorfeld abgemeldet und angekündigt, dass ich zurücklaufen werde.
Als wir ankommen, ist die Lightshow in vollem Gange, und die Menschen stehen dicht gedrängt. An das Aufstellen eines Stativs ist nicht zu denken, von einem freien Blick auf die Gebäude ganz zu schweigen. Also mache ich mich auf den Weg um die rechte Koranschule herum. Dort gibt es einen kleinen unbebauten Bereich, und in der Tat stehen dort nur ein paar einheimische Jugendliche. Ich baue mein Stativ auf, und prompt ist die Show zu Ende und die normale Beleuchtung wird eingeschaltet.
Ich mache ein paar Fotos der gegenüberliegenden Koranschule und begebe mich dann auf die andere Seite, um dort das Gleiche zu machen. Nun fehlt mir nur noch der Blick von vorne.
Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich dort kaum noch jemand aufhält. Schließlich ist die Show seit 20 Minuten vorbei. Doch weit gefehlt. Zwar ist der Platz nur mäßig gefüllt, aber in der ersten Reihe ist alles belegt, und es sieht nicht so aus, als wollten die Leute gleich gehen. Also gehe ich etwas zurück. Das hat auch den Vorteil, dass ich ein wenig höher stehe und vielleicht über die Köpfe hinweg fotografieren kann. Kaum habe ich die Kamera eingerichtet und ein Foto gemacht, geht die umliegende Beleuchtung aus und die Show startet erneut. War vorhin noch alles überfüllt, so ist es nun entspannt. Zwar drängeln sich ganz vorne ein paar Leute, aber rings um mich herum ist alles leer, und weiter hinten haben es sich die Menschen auf den Treppen gemütlich gemacht. Im abgesperrten Bereich sind dann noch mal etwa 30 Stühle aufgebaut. Gegen eine entsprechende Bezahlung hat man von dort einen ganz exklusiven Anblick.
Die Show ist sehr nett gemacht. Man versteht zwar kein Wort, da alles auf Russisch ist, aber die Storyline wird auch so klar. Am Ende wird es dann sehr patriotisch, und wenn man die aktuelle Lebenssituation vieler Usbeken sieht, auch ziemlich grenzwertig. Die Errungenschaften z.B. in der Biotechnologie, die man dort suggeriert, kann ich mir beim besten Willen nur schwer vorstellen.
Auf dem Rückweg gehe ich noch mal zum Gur-Emir-Mausoleum, das auch beleuchtet ist. Auch hier werde ich angesprochen und könnte das Gelände gegen eine entsprechende „Spende“ besuchen. Gegen 22:30 Uhr bin ich dann zurück im Hotel.