Der lange Weg zurück - Eisberge und Pinguine - 13

Frutillar - Chile
 


19-22.02.2026 - Der lange Weg zurück

Ich habe schlecht geschlafen. Zum einen hat sich das Schiff ziemlich bewegt und entsprechende Geräusche von sich gegeben. Zum anderen verkrampft sich seit einigen Tagen mein Rücken. Die Matratze ist sehr elastisch, wohl um die Wellenbewegung abzufedern. Gut zwei Wochen lang hat das meinen Rücken nicht interessiert, jetzt freut er sich wohl schon aufs Bett zuhause. Jedenfalls habe ich um 2 Uhr keine Lust mehr gehabt mich hin und her zu wälzen und habe eine Stunde lang Bilder bearbeitet. Kurz vor 7 Uhr bin ich dann endgültig aufgestanden.

Um 11:30 Uhr stellen die Schiffsfoto- und -videografen ihre Werke vor. Es gibt einen 75-minütigen Film und/oder eine ca. 500 Fotos umfassende Fotodokumentation zu kaufen. Anschließend gibt es noch ein letztes Mittagessen in Bedienrestaurant und jetzt werde ich mich wohl mal um die Koffer kümmern müssen. Die müssen heute Nacht gepackt vor der Tür stehen.

Um 18 Uhr gibt es dann noch mal einen mal mehr, mal weniger humorvollen Rückblick auf die Reise durch das Expeditionsteam. Das Thema „letztes Mal“ setzt sich direkt danach mit dem Essen im Bedienrestaurant fort. Nachdem es die letzten Tage ja wettertechnisch eher mau war, zeigt sich nun doch tatsächlich blauer Himmel. Für einen schönen Sonnenuntergang wird es nicht reichen. Aber zumindest einen schönen Spätsommertag könnten wir morgen doch noch bekommen, bevor es ins deutsche Schmuddelwetter zurück geht.

Wie schon üblich wache ich auf kurz bevor der Wecker klingelt. Wir sind noch ein kurzes Stück von Puerto Montt [] entfernt, aber während ich frühstücke legt das Schiff an. Die Boarding Pässe für den Flug nach Santiago werden an Bord gebracht und ich kann mir meinen zusammen mit dem Pass und Gepäckbanderolen für die Koffer an der Rezeption abholen. Um 8:30 Uhr gehe ich, nach 4.853 nautischen Meilen (8.987 km) von Bord.

Da die Flieger erst am frühen Nachmittag gehen, gibt es jetzt erst mal eine Bustour. Unser Handgepäck wird nach Lebensmitteln abgeschnüffelt, wir identifizieren unser Gepäck das an der Pier aufgereiht ist und verladen es in die Busse. Das Wetter meint es doch nicht so wirklich gut mit uns, auch wenn es zumindest nicht regnet.

Der erste Stop ist in Puerto Varas []. Wir haben 30 Minuten, laufen zu einer geschlossenen Kirche und wieder zurück. Ein ziemlich sinnfreier Halt. Weiter geht es nach Frutillar [] und so langsam klart es auf. Frutillar, benannt nach den Feldern mit wilden Erdbeeren, die die ersten deutschen Siedler hier vorfanden, liegt an einem See mit spektakulärem Blick auf den Vulkan Osorno. Dumm nur, dass der sich erst zeigt als wir bereits wieder im Bus sitzen. Frutillar ist ein kleines Touristenstädtchen, dass seine deutsche Geschichte ausgiebig pflegt.

Bedenkt man, dass die Alternative wäre 4 weitere Stunden am Flughafen zu verbringen, war die Tour schon ok. Mehr aber auch nicht.

Am Flughafen bringen wir die Banderolen am Gepäck an und ich stelle mich in die ewig lange Schlange für die Gepäckabgabe. Im Moment sind zwar nur Hapag Lloyd Passagiere da, aber da man es mit den Gepäckmengen sehr genau nimmt, bricht das Chaos aus. Gefühlt jeder Zweite muss umpacken oder geht zumindest mal an einen unbesetzten Schalter, um das Gewicht der Koffer zu überprüfen. Gut, dass ich die Langstrecke Business fliege. Das beschert mir auch auf diesem Eco-Flug 2 Gepäckstücke a 23 kg.

Bis ich in Santiago im Hotelzimmer bin ist es dann auch schon wieder 18 Uhr. Diesmal sind wir im Interconti untergebracht. Schon eher meine Kragenweite verglichen mit Buenos Aires. Leider liegt es wie viele der modernen Business Hotels hier ziemlich weit weg von der Innenstadt. Ich kenne Santiago [] ja ganz gut und habe im Blog auch schon darüber berichtet. In dieser Gegend gibt es fußläufig nicht so wirklich viel zu entdecken. Ich gehe daher nur in das große Einkaufszentrum das sich im Fuß des Constanera Towers [] befindet.

So wirklich hungrig bin ich nach all der Völlerei der letzten 3 Wochen auch nicht. Ich habe noch nicht mal das Sandwich aus der Snackbox gegessen, die wir heute Morgen bekommen haben. Also hole ich mir ein paar Empanadas und lasse es damit gut sein.

Irgendwie hatte ich Chile als besser organisiert in Erinnerung. Oder ist es nur die lokale Agentur?

Es ging bereits gestern Morgen los, als im Schiff die große Suche nach den Boarding Pässen begann weil diese nicht sortiert waren. Über das Chaos beim Check-in habe ich ja bereits berichtet. Der Transport vom Flughafen zum Hotel ging dann, auch wenn nicht alle ihre Koffer im gleichen Bus unterbringen konnten.

Heute Morgen dann der Höhepunkt. Um 8:30 Uhr sollten 3 Busse die Passagiere nach Paris und Frankfurt zum Flughafen bringen. Es waren auch drei Busse da, nur dass einer für eine ganz andere Reisegruppe war. Am Flughafen dann das nächste Chaos. Es waren zwar Leute der Agentur da, nur welche Buchungsklasse jetzt wo einchecken kann wussten sie nicht.

Naja, irgendwie hat alles funktioniert, aber ich habe die Chilenen bisher immer als gut organisiert erlebt. Da hätte ich die Rückreise mal besser auf eigene Faust organisiert.

Nach den Check-in dann die nächste Überraschung. Meine alten Peso können nur dann umgetauscht werden, wenn der Gegenwert 100 USD beträgt. Na gut, dann eben nicht. Ich kaufe also noch zwei T-Shirts und der Rest geht wieder mit nach Hause. Wer weiß, vielleicht kann ich sie ja doch noch mal gebrauchen.

Emigration und Security dauern ewig, aber wenigstens ist die neue LATAM Lounge sehr gut gelungen. Ich darf sogar mit meinem Premium Economy Ticket, das ich für den Flug bis Sao Paulo erhalten habe (Business hat der Flug nicht), rein.

Der Flug nach Sao Paulo ist ereignislos, auch wenn der A320 etwas Liebe gebrauchen könnte. Die vordere Toilette ist wegen eines Defekts gesperrt und die eine oder andere Plastikabdeckung z.B. an den Sitzen fehlt. Wir sind tatsächlich 20 Minuten vor der geplanten Zeit in Sao Paulo. Nutzt nur nichts. Wir stehen auf dem Vorfeld und weder Treppe noch Busse sind bereit. Wir haben aber sowieso genug Zeit bis unser Flug nach Frankfurt geht.

Da wir vom Vorfeld kommen, müssen wir auch noch mal durch die Security. Dann geht es in die mir gut bekannte Lounge. Mittlerweile haben sie eine Bank als Sponsor und dass sie als Star Alliance Lounge dient ist auch erst am Eingang zu sehen. Ich habe eine gute Stunde bis zum nächsten Boarding. Zeit genug für Caipirinha und etwas Chitchat mit anderen Mitreisenden, die ebenfalls hier sind. Viele sind aber auch auf Flügen mit Air France, KLM, Iberia und anderen Airlines gebucht.

Dann geschieht etwas Seltenes: Das Boarding des Lufthansa Flug startet früher als angekündigt. Take-off ist dann auch pünktlich und nach einem weiteren ereignislosen Flug landen wir sogar mehr als eine halbe Stunde früher als geplant in Frankfurt. Das ist zwar schön, aber die Gepäckausgabe ist typisch für Frankfurt. Nach „noch 10 Minuten“ kommt „noch 5 Minuten“ kommt „bitte warten“. Es dauert dann eine gute Stunde bis sich das Kofferband in Bewegung setzt. Wenigstens kommt mein Gepäck relativ zeitig.

In Deutschland nähert sich der Winter seinem Ende. Man sieht zwar noch ein paar Schneereste, aber es hat ca. 10 Grad und es regnet mal mehr, mal weniger. Der Shuttle zum Parkplatz kommt schnell und auch die Rückfahrt ist, wenn man vom nervigen Regen absieht, ereignislos. Um 14:00 Uhr bin ich dann endlich zu Hause.



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