„Der Kapitän spielt mit dem Eis“- Eisberge und Pinguine - 8

adelie penguin - Paulet Island - Antarctica
 

  1. Einleitung

  2. Galerie

  3. Anreise

  4. Der erste Seetag

  5. Die Falklandinseln

  6. Auf dem Weg nach Südgeorgien

  7. Südgeorgien

  8. Auf dem Weg in die Antarktis

  9. Elephant Island

  10. „Der Kapitän spielt mit dem Eis“

  11. Deception Island

  12. Antarktische Halbinsel

  13. von der Antarktis an die Pazifikküste Südamerikas

  14. Patagonische Gletscherwelt

  15. Der lange Weg zurück

  16. Fazit und hilfreiche Tipps


09-10.02.2026 - „Der Kapitän spielt mit dem Eis“

„Der Kapitän spielt mit dem Eis“ war das Motto, dass der Expedition Manager gestern im PreCap ausgegeben hat. Nachdem wir heute Morgen das erste Mal Fuß auf das Antarktische Festland setzen können (etwas das auch nicht immer gelingt, häufig bleibt es bei den vorgelagerten Inseln), geht es in das Weddellmeer [].

Dies kann die HANSEATIC inspiration dieses Jahr zum ersten Mal befahren. Zuvor war das Eis zu dicht. Die Ziele für heute und wohl auch Morgen früh stehen fest, aber ob wir einen Kanal nehmen oder doch lieber um die Insel herumfahren entscheidet der Kapitän anhand der Eislage.

Im PreCap gestern hieß es auch, dass es sich rentieren würde früh aufzustehen und die Szenerie zu beobachten. Als ich aber um 5 Uhr zum Fenster rausschaue motiviert mich weder der Ausblick noch das Wetter aufs Deck zu gehen.

Da ich wieder in der allerersten Gruppe bin die an Land darf, habe ich mir wie auf den Falklandinseln etwas fürs Frühstück auf die Kabine genommen. Als ich mir das Tagesprogramm dann näher angeschaut habe, habe ich festgestellt, dass das Buffetrestaurant heute eine Stunde früher öffnet. Da wäre es mit einem schnellen Happen auch dort noch ausgegangen. Macht auch nichts.

Mittlerweile schwimmen übrigens auch riesige Tafeleisberge an uns vorbei, die vom Inlandsschelf abgebrochen sind und nun nach Norden ins offene Meer driften.

Um 6:58 Uhr fällt der Anker und wer bisher noch nicht wach war, ist es jetzt 😉. Wir sind heute Morgen auf Brown Bluff, den Überresten eines erloschenen Vulkans. Neben Pinguinen und Robben gibt es hier die Möglichkeit einen Gletscher zu besteigen.

Während das Expeditionsteam an Land geht, um die Situation zu checken und Wege zu markieren, fange ich an mich einzupacken. Da wir nur eine kurze Überfahrt, aber einen längeren Aufenthalt mit der Möglichkeit sich zu bewegen haben, heute etwas dünner. Hoffen wir mal, dass ich das nicht bereue.

Als ich fertig bin gehe ich schon mal auf das Pooldeck um ein paar Fotos zu machen. Als die Ansage kommt, dass wir zum Stiefelraum kommen können, wird dringend empfohlen die Wanderstöcke mitzunehmen. Also gehe doch noch mal in meine Kabine und hole sie. Im Nachhinein eine Schnappsidee.

Als wir an Land kommen stellt sich heraus, dass das Expeditionsteam den Weg zum Gletscher nicht freigeben hat. Über Nacht hat es gescheit und ich vermute mal, dass es zu riskant wäre, weil man die Gletscherspalten durch den Neuschnee nicht mehr sehen kann. Stattdessen haben sie einen Weg hoch auf einen Felsgrat markiert. Allerdings gehen solange ich an Land bin, vielleicht 3 oder 4 Personen da hoch. Auch ich begebe mich lieber zu der Pinguinkolonie. Es ist immer wieder putzig die Tierchen zu beobachten.

Ein Großteil des Strandes selbst ist für uns Tabu, da sich hier die Pinguine sammeln, um in Gruppen ins Wasser zu gehen. In der Nähe des Landeplatzes ist es aber möglich und so kann ich hier angespülte Eisstücke auf schwarzem Strand fotografieren. Leider ist es kein feiner Sand, sondern es sind eher grobe Kiesel. Aber man kann nicht alles haben. 74 Minuten beträgt unser Zeitbudget und auch wenn der Strandabschnitt gar nicht so groß ist, so verfliegt die Zeit.

 

An Bord nutze ich die Gelegenheit, dass die andere Hälfte der Passagiere an Land ist und gehe in den Fitnessraum. Viel Bewegung haben wir die letzten Tage ja nicht bekommen und auch heute Morgen waren die Wege kurz.

 

Heute Mittag soll es auf The Naze auf James Ross Island im Weddellmeer gehen. Die Landschaft auf der Fahrt dorthin führt durch einen Kanal zwischen dem Festland und einer vorgelagerten Insel. Eine tolle Szenerie. Den Landgang heute Nachmittag werde ich mir wahrscheinlich schenken. Es soll an einen Strand ohne Tiere und dann ein rutschiges Geröllfeld hinauf auf einen Hügel gehen. Von dort soll man einen schönen Blick auf die Bucht unter einem haben. Wenn wider aller Erwartung doch noch mal die Sonne rauskommt, ändere ich vielleicht noch mal meine Meinung. Ansonsten schaue ich mir die Szenerie von Bord aus an.

 

Gegen 14:30 Uhr nähern wir uns James Ross Island. Es hat schon was einfach am Fenster der warmen Kabine zu stehen und zuzusehen wie die Eisberge im eisigen Schneesturm an einem vorbei treiben. Irgendwann ziehe ich mich dann doch noch mal dicker an, um rauszugehen und ein paar Fotos zu machen.

Ich gehe an meinen Lieblingsplatz ans Heck des Schiffes. Hier hat man nicht nur freie Sicht, selbst nach Vorne wenn man an die Seiten geht, sondern es ist auch etwas windgeschützt.

Die Situation ist fast schon klischeehaft: Minus 5,1 Grad, heftiger Wind und Schneefall, Eisberge wohin man schaut und das Land verschwindet im Nebel.

 

Nach einiger Zeit kommt die Durchsage, dass man nun doch nicht an die ursprünglich geplante Landestelle fährt, sondern noch mal 20 Minuten weiter, quasi um-die-Ecke. Meine Entscheidung bleibt aber bestehen: Diese Landung erspare ich mir.

 

Auf dem Weg in die Kabine hole ich mir noch eine heiße Schokolade in der Observation Lounge. Viele der Passagiere die dort sind habe ich noch nie gesehen. Obwohl das Schiff ja recht klein ist, entwickelt man eine bestimmte Routine und trifft dann auch immer wieder die gleichen Personen. Hinzu kommen noch die Passagiere, die in der gleichen Farbgruppe und damit zur gleichen Zeit an Land sind und natürlich die Crewmitglieder denen man regelmäßig begegnet.

 

Den nächsten Vormittag wollen wir durch das Weddellmeer kreuzen und nach schönem Eis Ausschau halten. Bereits gegen 6 Uhr knirscht und rumpelt es immer wieder als wir durch ein Eisfeld fahren.

Die Szenerie erinnert an Gestern Mittag: Es ist kalt (-5,7 Grad) und grau-in-grau, nur der Schneefall ist nicht so heftig. Auf der einen oder anderen Eisscholle lümmelt sich eine Robbe. Ich überlege kurz gleich mal an Deck zu gehen, entscheide mich dann aber für die Dusche. Lange hält man es draußen ohnehin nicht aus und die Szenerie wird sich bis zumindest Mittag nicht ändern.

 

Nach der Morgentoilette habe ich noch fast eine halbe Stunde bis das Frühstücksbuffet öffnet. Also ziehe ich mich etwas dicker an und gehe nach draußen. Heute ist der Inspiration Walk geöffnet. Nur ein Schild weist darauf hin, dass es glatt sein könnte. Dies ist dann auch ernst zu nehmen. Das Deck ist zwar etwas aufgeraut, aber spätestens auf den weiß lackierten Markierungen ist Schluss. Also halte ich beim Laufen immer schön eine Hand an der Reling. Heute kommt der Wind von hinten und man kann es hier vorne gut aushalten.

Die Eisbedeckung hat weiter zugenommen und wir fahren an Eisbergen vorbei die deutlich höher als unser Schiff sind. Gefühlt sind es 20 Meter, die sie von Back- oder Steuerbord entfernt an uns vorbeigleiten. Aber selbst wenn es 50 Meter sind …

Ca. 90% dieser Giganten befinden sich unter Wasser. Da ist auf der Brücke Konzentration gefragt. Andererseits kann ich mir aber schon vorstellen, dass es der Brückenbesatzung Spaß macht. Daher wohl das Motto „Der Kapitän spielt mit dem Eis“.

 

Um 9 Uhr dann die Ansage, dass heute diejenigen die es wollen ins Wasser springen können - den sogenannten Polar-Plunge. Es hat wieder angefangen stärker zu schneien, die Außentemperatur beträgt -6 Grad und das Wasser ist 0,2 Grad „warm“. Hinzu kommt ein Wind der mit 21 Knoten weht. Gegen 10 Uhr soll es losgehen. Als bekennender Warmduscher habe ich bereits in Vorfeld jedem der mich fragte gesagt, dass ich das bestimmt nicht machen werde und daran halte ich mich natürlich 🌝.

Etwa 40 der 200 Passagiere wagen den Sprung und anschließend dürfen auch die aus der Crew, die es sich nicht nehmen lassen wollen ihren Mut beweisen.

 

Das PreCap ist heute für 12 Uhr angesetzt - eine eher ungewöhnliche Zeit. Aber die Information für Heute Nachmittag und Morgen Vormittag will noch an den Mann gebracht werden.

Dies dauert eine gute halbe Stunde und anschließend stürmt alles ins Buffetrestaurant. Dort soll es heute einen Inspiration Burger vom Grill geben. Das Theater schenke ich mir und esse im Bedienrestaurant lieber leckere Fischgerichte.

 

Um 13:45 Uhr kommen wir bei Paulet Island an. Diese ist die Heimat von Hunderttausenden von Adeliepinguinen. Bereits von unserem Ankerplatz aus kann ich sie im Wasser und auf einigen Eisschollen voraus sehen. Ohne mich erst noch dick einzupacken gehe ich schnell auf den Inspiration Walk, um ein paar Fotos zu schießen.

Nachdem ich ja gestern in der ersten Gruppe war die an Land ging, bin ich heute wieder in der letzten. Da die Landestelle recht klein ist, sollen die einzelnen Gruppen noch einmal weiter entzerrt werden, sodass der Plan ist, dass ich erst gegen 17:00 Uhr an der Reihe sein werde.

Doch die Reise ist nicht umsonst als Expedition ausgeschrieben. Das Team, das die Landestelle vorbereiten soll, hat festgestellt, dass dort so viele Pinguine sind, dass eine Landung unmöglich ist. Also wird umgeplant. Statt der Landung gibt es eine einstündige Zodiac Cruise.

 

Meine Gruppe wird um 16 Uhr aufgerufen und diesmal bin ich im letzten Boot, dafür aber sitze ich ganz vorne. Es ist aber ohnehin nur halb belegt.

Als ich bei der Ankunft draußen war, sah es aus als wolle die Sonne durchkommen. Zwischenzeitlich setzte dann ein Schneesturm ein und als ich ins Boot klettere hat sich das Wetter wieder beruhigt. Nur auf einer kurzen Passage pfeift uns der Rest des Schneesturms um die Ohren. Kalt ist es natürlich trotzdem (so minus 5 Grad), aber ich habe mich dick genug angezogen. Nur die Finger der rechten Hand werden kalt. Die brauche ich, um die Kamera zu bedienen. Heute hätte es zum ersten Mal Sinn gemacht, die dünnen Handschuhe unterzuziehen.

 

Die Cruise ist mal wieder klasse. Massenhaft Pinguine und Kormorane - an Land, auf Eisschollen, in der Luft und im Wasser. Gerne auch mal in Gruppen von den Schollen ins Wasser springend.

 

Nach einer knappen Stunde ist Schluss. Ich hätte noch gut und gerne eine weitere halbe auf dem Wasser verbringen können. Viele der anderen Passagiere sind aber froh, dass es zurück ins Warme geht.

Kaum bin ich in der Kabine, kommt auch schon die Ansage, dass wir uns auf den Weg machen. Es geht zurück Richtung Norden zu den Südlichen Shetlandinseln []. Unser Ziel ist Deception Island.

 

Abends gehe ich meistens um kurz nach 7 Uhr ins Bedienrestaurant. Dies hat dann gerade geöffnet und meistens bekomme ich noch einen Tisch am Fenster direkt an der Backbordseite. Das Personal hat ebenfalls seinen festen Bereich und so kennt man sich mittlerweile.

Heute werde ich jedoch direkt am Eingang abgefangen und in einen anderen Teil des Restaurants geführt. Statt Backbord sitze ich nun Steuerbord, auch wieder am Fenster. Aber es gibt anderes Personal und auch die Passagiere, die hier sitzen, sehe ich üblicherweise nicht. Wie schon geschrieben: Erstaunlich wie schnell sich eine Routine einstellt.

 

Zurück in der Kabine schaue ich aus dem Fenster (jetzt wieder auf der Backbordseite) und es sieht so aus als könnte es mal einen schönen Sonnenuntergang geben. Ich warte noch ein paar Minuten und gehe dann auf den Inspiration Walk um ein paar Bilder zu machen.

 

 


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