Buchara - Die Karawane zieht weiter - Usbekistan 2026 - 4

Bolo Haouz Mosque - Buchara - Uzbekistan
 

  1. Einleitung

  2. Galerie

  3. Anreise

  4. Tashkent und die Weiterreise nach Khiva

  5. Khiva

  6. Buchara

  7. Samarkand

  8. Shakhrisabz und die Fahrt nach Tashkent

  9. Ins Ferganatal und zurück nach Deutschland


Buchara

Heute wird ein langer Fahrttag. 450 km oder 8 Stunden liegen vor uns. Am Anfang geht es über eine Landstraße, später dann über eine Betonautobahn.

Die Landstraße ist breit genug für vier Fahrspuren. An der Seite ist sie aber so schlecht, dass man sie nicht ernsthaft nutzen kann. Auch der Rest ist mit Schlaglöchern durchsetzt, oder der Asphalt fehlt gleich ganz. Der nutzbare Bereich wird als dreispurig interpretiert. Überholt wird nach dem Motto „der andere wird schon bremsen“. Erstaunlicherweise wird so gut wie nie gehupt. Den ganzen Tag über habe ich es nur ein einziges Mal gehört. Das wird sich aber in den nächsten Tagen, je weiter wir nach Osten kommen, ändern. Unser Fahrer passt sich stückchenweise den lokalen Gepflogenheiten an.

 

Nach 2,5 Stunden erreichen wir die Autobahn. Auch die Landschaft ändert sich nun. War es bisher grün und landwirtschaftlich genutzt, so fahren wir nun durch eine mit kleinen Büschen durchsetzte Wüste. Die Straße führt schnurgerade durch diese monotone Landschaft. Um zu prüfen, ob der Fahrer noch fahrtüchtig ist, fordert das Auto ihn ab und zu auf, rechts ran zu fahren und ein paar Sekunden zu warten. Erfüllt er die Aufgabe, kann es weitergehen. Witzig sind, wie in den USA, die Fake-Polizeiwagen aus Sperrholz, die die Fahrer zur Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung motivieren sollen.

 

Kurz nach 6 Uhr erreichen wir unser Hotel. Dies ist erneut ein renoviertes, altes Gebäude und liegt direkt in der Innenstadt gegenüber dem beliebten Lyab-i-Hauz-Komplex []. Ich habe wieder ein Zimmer zum Innenhof und sollte davon wenig mitbekommen.

 

Die Stadt [] ist rappelvoll. Einer unserer Mitreisenden musste sogar in einem Hotel in der Nähe untergebracht werden. Das merke ich dann auch, als ich mich nach dem Einchecken zügig auf den Weg mache. Ich laufe zum Poi-Kalon-Ensemble [], das -  so meine Informationen im Vorfeld - nach Sonnenuntergang auch schön beleuchtet werden soll. Von dort geht es weiter kreuz und quer durch die Gassen.

Prägten in Khiva [] Restaurants und Hotels das Bild, so sind es in Buchara die „Workshops“, kleine Läden, die vorgeben, dass die Produkte, die sie verkaufen, dort hergestellt sind. Hier und da gibt es auch Vorführungen.

 

Einen schönen Platz für den Sonnenuntergang finde ich nicht, auch wenn ich extra auf eines der Dachrestaurants gehe. Letztendlich finde ich einen in der Nähe der Festung, an dem ein Stück der Absperrung fehlt, sodass ich das Poi-Kalon-Ensemble aus der Entfernung aufnehmen kann. Aber so wirklich toll ist der auch nicht.

Kurz darauf gehen die Lampen an einer der Kuppeln an. Die will dann natürlich auch fotografiert werden, auch wenn es einiges an Geduld erfordert, bis der Platz davor menschenfrei ist.

 

Entgegen meinen Erwartungen wird der zentrale Platz des Poi-Kalon-Ensembles [] heute nicht beleuchtet. Im Zickzack geht es durch die immer noch sehr belebte Innenstadt zurück zum Hotel. Davor treffe ich noch einen Großteil der anderen Reiseteilnehmer. Da diese aber eh gleich gehen wollen, setze ich mich nicht dazu, sondern ziehe mich in mein Zimmer zurück und mache meine „Hausaufgaben“.

 

Punkt 6 Uhr am nächsten Morgen verlasse ich das Hotel, um eine Runde durch die Stadt zu drehen, bevor die Touristenmassen das Ihre verlassen.

Diese sind dann auch kaum zu sehen, leer ist die Stadt dennoch nicht. Viele Einheimische gehen zügigen Schrittes durch die Gassen. Ob auf dem Rückweg von ihrem Morgengebet oder weil sie ihren Arbeitsplatz erreichen wollen, ist nicht auszumachen. Manche kaufen auch einfach nur ihr Brot für den Tag. Durch ein unscheinbares Fenster ohne weitere Beschilderung werden die Non, deren Zubereitung wir ja schon in Tashkent gesehen haben, gereicht.

 

Um 9:30 Uhr geht dann der offizielle Teil los. Wir fahren zu einem Vergnügungspark, aber nicht um dort mit dem Riesenrad oder Schwanenbooten zu fahren, sondern um das Ismail-Samani-Mausoleum [] zu besuchen. Anfang des 10. Jahrhunderts gebaut, ist es wohl das älteste Baudenkmal in ganz Zentralasien. Die Zerstörungswut Dschingis Khans überstand es, weil das Gebäude im Laufe der Zeit komplett mit Sand und Schlamm von Überflutungen und Erdrutschen überdeckt wurde. Wiederentdeckt wurde es dann erst 1926-28 durch russische Archäologen.

 

In der Nähe gibt es einen großen Markt, hauptsächlich für Lebensmittel. Vom Gefühl her kaufen in der zentralen Halle vor allem die Touristen den angebotenen Tee und die Gewürze. Die Einheimischen bedienen sich der Händler in den Außenanlagen.

 

Vorbei am Chashmai-Ayyub-Mausoleum und der Gedenkstätte für den Imam Al-Bukhari geht es zurück zum Bus. Unser Ziel ist die Zitadelle []. Vorher schauen wir uns aber noch kurz die Bolo-Hauz-Moschee [] an. Im Moment ist die Idee, dass ich nach dem Abendessen noch mal hierher zurückkomme.

 

Die Zitadelle ist eigentlich nicht wirklich sehenswert. Von den Sowjets komplett zerstört, um den lokalen Herrscher zu vertreiben, haben sie anschließend einen Teil der Gebäude wieder aufgebaut. Schätzungsweise drei Viertel der Fläche sind aber einfach nur Ödland. In den Gebäuden sind die unterschiedlichsten Ausstellungen untergebracht. Von ausgestopften Tieren bis hin zu Münzen.

 

Das letzte Highlight der Besichtigungstour ist die Koranschule des Poi-Kalon-Ensembles. Da ich mir schon dachte, dass wir dort hineingehen, habe ich mir gestern Nachmittag den Besuch gespart. Von hier aus geht es durch die mir mittlerweile schon gut bekannten Gassen zum Hotel.

 

Um 14 Uhr sind wir zurück an unserem Startpunkt. Zeit, aus der Sonne zu kommen. Wir haben 30°C, aber trocken und mit ein wenig Wind. Trotzdem tut es gut, in das auf 24 Grad gekühlte Zimmer zu kommen.

Was folgt, sind die üblichen Hausaufgaben - Bilder sichern und an diesem Bericht schreiben. Zeit, um die Bilder schon mal zu sortieren und vielleicht das eine oder andere zu bearbeiten, wird auch noch sein. Treff zum Abendessen ist erst um 19 Uhr.

 

Um 20:30 Uhr sind wir vom Abendessen zurück am Hotel. Ich gehe nur schnell auf mein Zimmer, schnappe mir Kamera und Stativ und ziehe wieder los.

Ich möchte auf die andere Seite der Festung, dort, wo wir heute Vormittag waren. Auf dem Weg komme ich mal wieder an dem Poi-Kalon-Ensemble vorbei. Und siehe da, heute ist die Anlage auch beleuchtet. Allerdings ist auch noch die Hölle los. Also spare ich mir das für später auf und gehe weiter.

 

Erster Fotostop ist der ehemalige Wasserturm [], der zu einer Aussichtsplattform umgebaut wurde und ebenfalls beleuchtet ist. Dann geht es wie oben angemerkt zur benachbarten Bolo-Hauz-Moschee.

 

Auch auf dem Rückweg laufe ich heute zielstrebig zu den Spots, die ich mir vorgenommen habe. Vor allem das Poi-Kalon-Ensemble. Es ist immer noch viel los, aber zumindest kann ich relativ ungestört mein Stativ aufbauen und ein paar Bilder machen. Nach knapp 2 Stunden bin ich zurück im Hotel.

 

Am nächsten Vormittag besuchen wir Ziele außerhalb der Innenstadt. Verlässt man das Zentrum, sieht Buchara wie jede andere Großstadt aus. Moderne Gebäude, Einkaufszentren, breite Straßen. Russischen Einfluss wie in Tashkent sieht man nicht. Alles ist sehr sauber und die Straßen sind in hervorragendem Zustand. Ganz anders als in den kleinen Orten, durch die wir vorgestern gekommen sind.

 

Erster Halt ist bei einem berühmten Miniaturmaler, der wohl auch schon mehrfach in Deutschland ausgestellt hat: Usta Davrun []. Wir bekommen gezeigt, wie sie hier Papier aus Maulbeerrinde herstellen. Mittlerweile hat er auch einige Schüler, die Bilder in seinem Stil herstellen. Am Tag malen sie nur 3 Stunden, da die Arbeit die Augen stark belastet. Natürlich darf auch ein Besuch in der Verkaufsgalerie nicht fehlen.

 

Als Nächstes geht es zur Grabstätte des Sufi-Ordensgründer Naqshbandi []. Dies ist eine riesige Anlage mit mehreren Moscheen, Koranschulen und Konferenzräumen. Das Ganze ist eine muslimische Pilgerstätte. Zum ersten Mal hat es mehr einheimische Besucher als Touristen. In der Tat habe ich nur eine einzige Gruppe gesehen.

Die Anlage ist eher schlicht und wenig fotogen. Schon gar nicht um 11 Uhr morgens. Einzig das Dach rund um einen Innenhof ist schön bemalt.

 

Nur wenige Fahrminuten entfernt liegt die Sommerresidenz [] des letzten regierenden Emirs. Hier ist die Situation wieder genau umgekehrt: Massenhaft Touristen, die sich durch die kleinen Räume des Haupthauses drängen. Auf dem Weg dorthin muss man durch eine kleine „Einkaufsstraße“ mit improvisierten Ständen. Erfreulicherweise sind die Händler in Usbekistan überhaupt nicht aufdringlich.

Der Sommerpalast ist mal eine angenehme Abwechslung zu all den Moscheen und Koranschulen, auch wenn er nicht unbedingt als das Highlight der Reise im Gedächtnis bleiben wird.

 

Zurück in der Innenstadt geht es für die meisten von uns auf die Suche nach einer Schmiede. Eigentlich stand die für gestern auf dem Programm, ist aber irgendwie durch das Raster gefallen. Ich hatte mir nichts dabei gedacht, weil die Touristenschmiede, an der ich mehrfach vorbeigelaufen bin, immer einen Stuhl in der Tür stehen hatte. Wohl als Symbol, dass es nichts Interessantes zu sehen gibt. Genau zu dieser Schmiede laufen wir, und auch heute blockiert der Stuhl den Weg. Der Chef ist angeblich auf dem Weg nach Mekka, und nur der Lehrling ist da. Wir dürfen zwar rein, aber der Ofen ist auch heute nicht in Betrieb. Unser Guide führt uns noch in 3 oder 4 weitere Läden, in denen im Hintergrund ein Ofen steht, aber nirgends wird gearbeitet. Er hätte noch weiter gesucht, aber die Gruppe hat keine Lust mehr. Wir lösen die Veranstaltung auf.

 

Zu zweit gehen wir nun noch einen Kaffee trinken und leckere Torte essen. Das reicht mir dann auch für heute. Auf den Eintopf bei einer lokalen Familie heute Abend verzichte ich.

 

Um 18 Uhr gehe ich dann noch mal für eine Stunde los. Chor-Minor [] ist das Torhaus einer ehemaligen Koranschule. Besonders sind die 4 bunten Türmchen an den Ecken.

Gegenüber finde ich so etwas wie einen permanenten Flohmarkt (obwohl der Eigner es wohl als Antiquitätenladen bezeichnen würde). Als Erstes aufgefallen ist mir ein Haufen mit alten Kameras unterschiedlichen Alters und Herkunft. Er hat aber auch Uhren, Hunderte von Pins, Porzellan und Uniformen bis hin zu Pässen oder Teppichen - das meiste russischer Herkunft. Das Highlight zumindest des Tages, wenn nicht mehr.

 

 


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