Khiva - Die Karawane zieht weiter - Usbekistan 2026 - 3
Buchara
Samarkand
Shakhrisabz und die Fahrt nach Tashkent
Ins Ferganatal und zurück nach Deutschland
Khiva
Um kurz nach 6 Uhr verlasse ich unser Hotel. Ich möchte die Stadt ohne Touristenmassen und in schönem Morgenlicht fotografieren. Das funktioniert auch ganz gut. Einige wenige Touristen sind schon unterwegs. Hauptsächlich sieht man aber Frauen, die mit einem Reisigbesen die Straßen fegen. Eine einzelne holländische Reisegruppe taucht um 6:30 Uhr auf, aber die lässt sich leicht vermeiden.
Das alte Zentrum ist nicht sehr groß. Neben einzelnen Sehenswürdigkeiten gibt es Hotels und vor allem Restaurants. Rund um die Altstadt zieht sich die gut erhaltene Stadtmauer. An den Haupttoren gibt es Drehkreuze, und es wird Eintritt verlangt. So früh am Morgen sind die aber noch außer Betrieb. Die Eintrittskarte berechtigt dann auch dazu, die meisten Sehenswürdigkeiten, Museen etc. zu betreten.
Nach 1,5 Stunden habe ich erst mal genug gesehen. Um 9:30 Uhr gibt es ja auch noch den ersten Teil der offiziellen Besichtigung.
Heute wird es heiß. Es hat schon deutlich über 20°C, und bis heute Nachmittag wird die 30°C Marke überschritten sein. Dazu brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Für die Erläuterungen unseres Guides springen wir von Schatten zu Schatten. Oft höre ich mir an, was er zu erzählen hat. Ab und zu setze ich mich aber ab und gehe in Räume, die gerade wenig besucht sind, um zu fotografieren. Es sind etliche Gruppen unterwegs - aus aller Herren Länder und meistens deutlich größer als unsere kleine Gruppe. Individualtouristen sieht man wenige. Wir gehen in einige Museen, ehemalige Madrasen und Paläste. Irgendwann wiederholen sich die Motive.
Der Zeitplan sieht vor, dass wir die Sehenswürdigkeiten in zwei Teilen besichtigen. Die ersten heute Vormittag und den Rest dann morgen Vormittag. Die Nachmittage sind zur freien Verfügung. Für mich war dies eines der Hauptkriterien, genau diese Reise zu buchen. Wie sich nun herausstellt, hätte ich die zusätzliche Zeit in Khiva gar nicht gebraucht.
Um 12:30 Uhr beenden wir den Rundgang, und die Mehrheit folgt dem Guide in den schattigen Hof eines Cafés, um dort etwas zu essen und zu trinken. Diesmal ist die Mahlzeit nicht im Reisepreis inkludiert. Die Preise sind aber selbst in diesem Touristenumfeld mehr als human. Gegen 13:30 Uhr ziehe ich mich dann in mein Hotelzimmer zurück. Wenn die brütende Mittagshitze vorbei ist, werde ich mich noch ein wenig weiter umsehen.
Gegen halb 5 mache ich mich dann noch mal auf. Eigentlich wollte ich bis zu unserem Abendtreff um 19:15 Uhr unterwegs sein. Dann wollen wir zum Sonnenuntergang auf die Mauer. Ich nehme daher auch schon das Stativ und Filter mit. Nach einer Stunde gebe ich aber auf. Es hat immer noch 31°C (ok, das war abzusehen), und das eine oder andere Motiv sieht durch den geänderten Sonnenstand besser aus als heute Morgen. Insgesamt findet man aber selten neue Bildideen, wenn man zum fünften oder sechsten Mal die gleiche Gasse langläuft. Ich gehe sogar noch mal außen den restlichen Teil der Stadtmauer ab, den ich heute Morgen ausgelassen habe.
Schau’n wir mal, wie das heute Abend wird. Gestern nach dem Essen habe ich schon mal ein bisschen gescoutet und ein paar Ecken mit Beleuchtung gefunden. Das Problem könnten dann aber wieder die vielen Touristen und die hässlichen Verkaufsstände werden.
Der Sonnenuntergang ist dann ein Satz mit x. Der Himmel ist wolkenlos, und in Richtung des Sonnenuntergangs gibt es ohnehin nichts Attraktives zu sehen. Noch vor Sonnenuntergang gehen wir.
Auch das Abendessen läuft nicht ohne Probleme. Der bestellte Tisch ist nicht frei, und in dem alternativen Restaurant dauert es ewig, bis das Essen kommt. Zumindest für etwa die Hälfte von uns - die anderen hatten ihres ruckzuck. Die Qualität war dann auch noch sehr durchwachsen. Man merkt in Khiva, dass sich die Restaurants an Touristen richten, die eh nicht wiederkommen.
Wie geplant laufe ich anschließend noch ein wenig durch die Gassen und mache ein paar Nachtaufnahmen. Zur blauen Stunde hätte das eine oder andere Motiv sicherlich besser ausgesehen, dafür sind mittlerweile nicht mehr so viele Touristen im Weg.
Auch der nächste Tag startet um 9:30 Uhr. Frühstück im Hotel gibt es erst um 8 Uhr, und auch die Sehenswürdigkeiten machen nicht früh auf. Wir besuchen einige Museen, und spätestens im zweiten setzt sich die Hälfte der Gruppe ab und wartet lieber vor der Tür.
Schön ist die Freitagsmoschee [↗] mit ihren Dutzenden Holzsäulen. Zwar wird sie gerade renoviert, aber etwa zwei Drittel sind weiterhin zugänglich. Die Säulen sind bis zu tausend Jahre alt, und eigentlich ist es gar nicht schwer, die wirklich alten von den neuen zu unterscheiden. Je verwitterter und mit Rissen durchsetzt sie sind, desto älter sind sie.
Zum krönenden Abschluss gehen wir noch in das Pahlavan-Mahmoud-Mausoleum [↗] mit seinen schönen Fliesen und Kronleuchtern. Damit war ich auch in all den Zielen, die ich besuchen wollte.
Um 12 Uhr ist auch der heutige Rundgang beendet. Wie schon geschrieben, ist das alte Zentrum sehr übersichtlich, und ich wüsste nicht, was ich mir jetzt noch ansehen sollte. Mittlerweile hat es auch wieder über 30°C. Auch das optionale Mittagessen spare ich mir. Das späte Frühstück war reichlich, und viel gelaufen sind wir heute auch noch nicht. Also geht es zurück ins Hotel und an den Rechner. Um 19 Uhr treffen wir uns zum Abendessen.
Rückblickend hätte ein Tag für Khiva völlig ausgereicht. Der einzige Vorteil der Planung mit drei Nächten ist, dass man nach den etwas hektischen ersten Tagen herunterkommen und im Land ankommen kann.
Alles in allem ist Khiva ein nettes, aber sehr touristisches Städtchen. Viel von der Bausubstanz mag original bzw. restauriert sein, aber der Eindruck von Disneyland herrscht vor. Auch wenn wir Samarkand und Co. noch nicht gesehen haben, kann ich mir nicht, wie zeitweise geschrieben, vorstellen, dass dieser Ort das Highlight in Usbekistan sein soll.