Auf dem Weg in die Antarktis - Eisberge und Pinguine - 6
Elephant Island
„Der Kapitän spielt mit dem Eis“
Deception Island
Antarktische Halbinsel
von der Antarktis an die Pazifikküste Südamerikas
Patagonische Gletscherwelt
Der lange Weg zurück
Fazit und hilfreiche Tipps
06-07.02.2026 - Auf dem Weg in die Antarktis
Gestern Abend hat das Schiff das erste Mal richtig Bewegung aufgenommen. Nicht dramatisch aber deutlich mehr als bisher. Interessanterweise gab es keine Vorwarnung von der Brücke wie am Anfang der Reise. Dort wird wohl auch davon ausgegangen, dass wir nun erfahren genug sind, um auf uns selbst aufzupassen. Ich räume also noch ein paar herumliegende Sachen weg, aber ohne zu übertreiben. Die Elektrogeräte dürfen auf dem Schreibtisch weiter laden. Geschlafen habe ich dann auch gut.
Am Morgen bewegt sich das Schiff immer noch mehr als üblich, wenn auch gefühlt weniger als gestern Abend. Also raus aus dem Bett, duschen und nach einem ersten Kaffee in der Kabine (die Restaurants sind noch zu) geht es um 7:30 Uhr zum Frühstücken.
Wir haben heute wieder einen Seetag auf dem Weg zu den Südlichen Orkneyinseln [↗]. Das Programm lässt mir wieder viel Zeit, um an den Fotos zu arbeiten. Den Vortrag am Vormittag werde ich mir vielleicht in der Kabine ansehen und den am Nachmittag wohl auslassen. Auch auf den Skat/Bridge/etc. Nachmittag verzichte ich dankend. Allein den Re/PreCap um 18 Uhr möchte ich nicht verpassen (obwohl man alle Vorträge, so auch diesen, live oder als Aufzeichnung in der Kabine ansehen kann).
Um 10 Uhr habe ich mich dann soweit überredet, dass ich für eine Stunde aufs Laufband gehe. Während ich laufe sehe ich durchs Fenster sogar wieder einen Wal blasen. Diesmal stoppen wir allerdings nicht.
Im Buffet Restaurant gibt es heute Mittag frisch angemachtes Beef Tatar. Obwohl wir einen Seetag haben und viele später frühstücken, ist es kurz nach Öffnung bereits rappelvoll. Na gut, dann gehe ich halt ins Bedienrestaurant. Das ist halb leer und der Service ist entsprechend schnell. Das Beef Tatar habe ich auch nicht vermisst.
Den Nachmittag bearbeite ich Fotos, schaue mit die Aufzeichnung des Vortrags vom Vormittag über Seevögel und schließlich im Hanseatrium den Re/PreCap an. Fürs Abendessen hole ich mir nur ein paar Kräcker und etwas Käse auf die Kabine.
In der Nacht bekommen wir die Stunde zurück die wir auf dem Weg nach Falkland verloren haben. Entsprechend früh bin ich wach. Der Blick aus den Fenster zeigt Nebel, leichten Schneefall und … Eisberge.
Also ziehe ich mich dick an und bin um 6 Uhr an Deck. Die vorderen Decks unten und oben sind gesperrt, aber auf dem Pooldeck kommt man ans Heck und auch der Blick zur Seite ohne störende Glasscheiben ist dort möglich. Am Heck ist es ganz angenehm, aber sobald man aus dem Windschatten kommt pfeift einem ein eisiger Wind um die Ohren.
Die Formen der Eisberge sind sehr variabel. Von großen Tafelbergen bis hin zu kleinen Splittern ist alles dabei. Hier sehe ich auch bei einigen Eisbergen zum ersten Mal diese blaue Farbe, die entsteht wenn das Eis nur wenig Luft enthält.
Wir sind nun auch offiziell in der Antarktis angekommen auch wenn dies nur ein Strich auf der Karte ist: Wir sind südlich der 60 Grad Grenze. Genaugenommen haben wir Coronation Island, die größte Insel der Südlichen Orkneyinseln erreicht. Wir liegen in Shingle Cove, einer kleinen Bucht mit einer weiteren Pinguinkolonie. Aufgrund des beschränkten Platzes werden wir etwa 20 Minuten mit den Zodiacs cruisen und dann nur kurz, maximal 45 Minuten, an Land gehen.
Wie schon mal geschrieben, das Cruisen mit den Zodiacs macht immer wieder Spaß. Die Landestelle ist diesmal recht steinig und dann geht es auch noch etwa 30 Meter einen Hang hinauf. Es sieht rutschiger aus als es letztendlich ist. Einige Gäste sind der Empfehlung gefolgt und haben die Wanderstöcke aus den Kabinen mitgenommen. Wenn man aber fotografieren möchte, weiß man nie wohin damit. Darüber hinaus greifen die Metallspitzen der Stöcke auf Stein eh nicht.
Viel gibt es nicht zu sehen. Die Kolonie befindet sich in den letzten Zügen. Die meisten Tiere sind bereits wieder im Meer. Hier sehen wir viel mehr tote Tiere als zuvor. Dies, so wird uns versichert, hat aber nichts mit der Vogelgrippe zu tun, sondern ist am Ende der Brutsaison völlig üblich.
Zum Mittagessen hat das Team vom Buffetrestaurant einen „Pölser Lunch“ auf dem Pooldeck aufgebaut. Es soll dänische Hot Dogs und andere Spezialitäten geben. Na dann schaun wir mal.
Neben Hot Dog, Suppe, Kasseler oder Brotzeitplatte gibt es aber auch gebratene Gnocci mit Pilzen und Quarkknödel von denen ich gerne Gebrauch mache. Dazu werden Sekt, Wein, Bier etc. gereicht. Wer möchte kann auch einen Glühwein oder Schnaps bekommen.
Währenddessen bahnt sich das Schiff seinen Weg durch Eisfelder in Richtung Point Wild auf Elephant Island, das seinerseits zu den Süd Shetland Inseln [↗] gehört. Ab und zu rumst und knirscht es doch ganz ordentlich. Gut, dass die inspiration die höchste Eisklasse hat. Darüber gibt es nur noch Eisbrecher.
Die Ankunft soll morgen am späten Vormittag erfolgen. Während wir sonst fast auf die Minute unsere Zielorte erreichen, hat der Kapitän hier schon mal vorgebaut. Aufgrund der Eissituation sind Route und Geschwindigkeit nur schwer vorherzusagen.
Um 16:00 Uhr gibt es den Vortrag eines Referatsleiters des Umweltministeriums. Ich hatte ja schon berichtet, dass wir einen Kontrolleur an Bord haben. Dieser hat sich bereit erklärt auch mal die politischen Zusammenhänge und Entwicklungen rund um den Antarktisvertrag [↗] zu erläutern. Er macht das sehr interessant und auch wenn das Hanseatrium nicht gefüllt ist, so ist die anschließende Fragerunde die bei weitem intensivste von allen Vorträgen, die ich mitbekommen habe.
Da er in den letzten Tagen das Schiff inspiziert hat, erfahre ich auch so einige Details, die ich nicht kannte:
Es darf in Gebiete einfahren, die bis zu 60% von Eis bedeckt sind.
Es hat eine Notbrücke von gerade einmal 5m² von der aus das Schiff betrieben werden kann, sollte die Brücke funktionsuntüchtig sein.
Das Abwasser wird geklärt und darf selbst dann erst verklappt werden wenn die Antarktis verlassen ist.