Fazit und hilfreiche Tipps - Eisberge und Pinguine - 14

HANSEATIC inspiration at sea
 


Fazit und hilfreiche Tipps

Auch wenn ich üblicherweise kein separates Kapitel mit einem Fazit und weiterführenden Hinweisen schreibe, so will ich hier eine Ausnahme machen.

War die Reise der „Trip Deines Lebens“?

Für viele der Passagiere wahrscheinlich schon aufgrund der damit verbundenen Kosten. Aber ich habe auch niemanden getroffen, der mit der Reise als solches unzufrieden war. Wenn Du den Bericht komplett gelesen hast, weist Du ja schon, dass das mich einschließt.

Das was man hier sieht und erlebt, findet man sonst nirgends. Auch nicht in der Arktis. Im Gegenteil - ich kenne einige Kommentare von Reisenden, die nach der Antarktis in den Norden gefahren sind und extrem enttäuscht waren.

Für einige war es dennoch nicht der eine Trip des Lebens. Es gab eine Reihe Wiederholungstäter.

Sind Seereisen etwas für jemanden der Sachen gerne selbst organisiert?

Zuerst muss man festhalten, dass eine Expeditionsreise nicht viel mit einer üblichen Kreuzfahrt ala Aida zu tun hat. Am ehesten trifft dies noch auf das Programm während der An- und Abreise zu.

Die Reise selbst war straff durchorganisiert. Durch die in der Antarktis herrschenden Beschränkungen ist dies auch gar nicht anders möglich. Ist man aber erst einmal an Land, so kann man sich innerhalb der gegebenen Grenzen relativ frei bewegen. Man geht in eigenem Tempo von Station zu Station anstatt einem Führer hinterher zu dackeln.

An Bord gab es einiges an Programm. Dies besteht aber in der Regel aus Vorträgen. Für Shows oder ähnliches ist auch gar kein Platz. Das Unterhaltungsprogramm besteht im Wesentlichen aus Klavier und Gitarrenmusik.

Ansonsten ist das Niveau an Betreuung schon außergewöhnlich, aber nie aufdringlich. Alles ist darauf ausgerichtet dem Gast eine schöne Zeit zu bereiten. Oder wie unser Kapitän Jörn Gottschalk jede seiner Ansprache beendete: „Whatever you do, enjoy your life“.


Als Ersttäter auf einem Kreuzfahrtschiff und insbesondere auf einem der HANSEATIC Schiffe, hatte ich so einige Fragezeichen. Daher hier noch ein paar Hinweise, die natürlich nur auf den Erfahrungen dieser Reise beruhen.


Das Schiff

Ich werde jetzt hier keine großartige Beschreibung des Schiffes einfügen. In YouTube findet man etliche Schiffs- und Kabinenrundgänge [], die zwar aus der Zeit der Indienststellung stammen, aber immer noch gültig sind.

Hier aber dennoch noch einige Anmerkungen: Im Bad ist ein (kleiner) Teil der Wand beheizt. Prima um mal ein T-Schirt oder die Merino-Unterwäsche zu trocknen. Eine ausziehbare Wäscheleine im Duschbereich gibt es auch noch. Gästewaschmaschinen oder Ähnliches gibt es aber nicht. Alles was sich nicht im Handwaschbecken erledigen lässt, muss man abgeben.


Einer der Tipps die man überall liest ist Magnete und Haken mitzunehmen. Ich habe meine nie gebraucht. Zum einen sind die Wände teilweise verkleidet und damit nicht mehr magnetisch. Zum anderen gibt es so viel Stauraum, dass ich nie das Bedürfnis hatte etwas an der Wand zu befestigen.


Interessant ist vielleicht auch noch das Thema Lautstärke. Aus den Nachbarkabinen habe ich nie etwas gehört. Da kann sich fast jedes Hotel eine Scheibe abschneiden. Zum Gang hin ist es etwas hellhöriger, aber wenn man nicht gerade eine sehr ungünstige Lage hat, gibt es auch nicht Verkehr in den Gängen.

Andererseits gibt das Schiff permanent Geräusche vor sich. Es knirscht hier und knarrt dort und häufig kann man gar nicht orten woher es kommt. Extrem wird es bei Seegang und Eisbedeckung. Dann kann es auch mal heftige Schläge geben. Je nach Lage der Kabine macht auch der Anker beim hochziehen oder runterlassen ganz schön Krach.

Wer empfindlich ist, sollte auf jeden Fall Ohrstöpsel dabeihaben.


Dresscode

Der Dresscode ist offiziell sportlich-leger. Dennoch gab es unterschiedliche Aussagen zu dem was man bei Empfängen oder im Spezialitätenrestaurant tragen soll.

Ich hatte ein Jackett mit und es auch zwei Mal angezogen. Ich war damit jetzt nicht overdressed, aber doch eher die Ausnahme. Frack oder selbst Krawattenträger würden hier extrem auffallen.

Stoffhosen (teilweise auch Jeans), T-Shirt, Hemd oder Polohemd und Pullover für die Herren waren der Standard. Bei Frauen galt Vergleichbares. Kurze Hosen, Flipflops und Ähnliches sind nicht so gerne gesehen. Schon gar nicht abends. Bei dem Fahrgebiet war es eigentlich eh kein Thema. Trotzdem wurde „aus gegebenem Anlass“ in einem der Tagesprogramme darauf hingewiesen.


Essen

Das Essen ist hochwertig und abwechslungsreich. Insbesondere abends im Bedien- und im Spezialitätenrestaurant ist es auf Sterneniveau.

Bis Ende letzten Jahres mussten alle Getränke außerhalb der Minibar in der Kabine bezahlt werden. Seit Anfang des Jahres sind Wasser, Säfte, Softdrinks etc. kostenfrei. So ganz hat das während der Reise nicht funktioniert und wurde erst bei der Endabrechnung aussortiert. Die Preise für alkoholische Getränke entsprechen denen in einem Restaurant an Land.


An Bord der HANSEATIC inspiration wird keiner verhungern. Eher dürfte man Probleme bekommen sein Gewicht zu halten. Hier mal eine Übersicht der Möglichkeiten an einem typischen Tag
- 07:00-10:00 Frühaufsteher Frühstück
- 07:30-10:00 Frühstücksbuffet im Buffetrestaurant
- 08:00-09:30 Frühstücksbuffet im Bedienrestaurant
- 10:00-12:30 Spätaufsteher Frühstück
- 11:00-12:00 heiße Bouillon an der Pool Bar
- 12:30-14:00 Mittagsbuffet
- 12:30-13:30 Mittagessen im Bedienrestaurant
- 13:00-17:00 selbstgemachtes Softeis
- 15:00-17:00 Kaffee und Kuchen
- 15:00-17:00 hausgemachte Waffeln
- 19:00-21:00 Abendessen im Buffet-, Bedien- und Spezialitäten-Restaurant
+ rund um die Uhr Kabinenservice

Ausprobiert habe ich davon nur einen Bruchteil.


Passagiere

Auch wenn die HANSEATIC Schiffe für mehr Passagiere ausgelegt sind, so werden in die Antarktis nur 199 (oder 200, da gibt es unterschiedliche Aussagen) Passagiere mitgenommen. Die Hintergründe habe ich ja schon am Anfang des Berichtes erläutert. Meine Reise war ausgebucht.


Die meisten Gäste kamen erwartungsgemäß aus der DACH Region, wobei der Anteil Schweizer überraschend hoch war. Eine größere Reisegruppe kam aus China. Diese hatte sogar ihre eigene Übersetzerin/Leiterin dabei. Insgesamt kamen die Passagiere aus 15 Nationen.

Seit Anfang des Jahres sind alle Hapag Lloyd Reisen zweisprachig. Die inspiration hat sogar neben europäischen amerikanische Steckdosen. Alle Ansagen sind auf deutsch und englisch und auch die Vorträge werden in beiden Sprachen angeboten.


Laut Hoteldirektor waren 120 Alleinreisende an Bord. Da das Schiff gar nicht so viele Kabinen hat, dürften hierunter auch gemeinsam Reisende Freunde, Mutter/Tochter-Kombinationen und Ähnliches fallen. Echte Alleinreisende würde ich mal auf 30-40 schätzen.


Vom Alter her war die Masse wohl zwischen 50-70, einige wenige darunter oder darüber. Nur die Chinesen drückten den Altersschnitt massiv.

Die wenigsten waren sportlich durchtrainiert. Wirklich übergewichtig waren aber auch die wenigsten. In der Regel hatten die Allermeisten eine gute Mobilität. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, was man vor allem beim Einstieg in die Zodiacs am Strand sah. Aber mit Hilfe der Matrosen ist dennoch jeder mitgekommen 😉‍. ‍

Aus der Reihe fielen eine gehbehinderte Frau und zwei ältere Männer, die kaum aufrecht gehen konnten. Trotzdem machten sie viele der Ausflüge mit. Wie sinnvoll das bei Eis und Schnee (und hunderte Kilometer von einem vernünftigen Krankenhaus entfernt) war, soll jeder selbst beantworten.


Fotoausrüstung

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Fotoausrüstung:

Schätzungsweise die Hälfte der Passagiere fotografierte mit dem Handy. Vielleicht noch mal 30% hatten Kompaktkameras oder kleine DSLRs. Der Rest kam mit großem Besteck. Teilweise auch mit extremen Brennweiten.

Der Vorteil einer Reise in die Antarktis ist, dass die Tiere relativ wenig scheu sind. Man hat eher ein Problem die vorgegebenen Abstände einzuhalten. Dennoch sind für das eine oder andere Motiv lange Brennweiten sinnvoll.

Unnötig bzw. sogar hinderlich wäre die Mitnahme eines Stativs.


Für die, die es interessiert: Ich hatte ein 24-240 mm an Vollformat und ein 100-400 mm mit 1,4fach Konverter an APSC mit. Einige wenige Aufnahmen stammen vom iPhone 17 (hauptsächlich die aus dem Schiff) und von einer DJI Osmo Nano (für wassernahe Aufnahmen im Zodiac).




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