Antarktische Halbinsel - Eisberge und Pinguine - 10

Paradise Bay - Antarctica
 


12-13.02.2026 - Antarktische Halbinsel

Heute war eine kurze Nacht. Bereits gegen 4 Uhr weckt mich die aufgehende Sonne, die durchs Kabinenfenster scheint. Spätestens ab 5 fahren wir durch Eisfelder und ab da ist bestenfalls ein bisschen Dösen möglich.

Wir sind in Paradise Bay und das Wetter macht dem Namen des Ortes alle Ehre. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel mit ein paar Wölkchen, kalt aber wenig Wind. Um 6:30 Uhr haben wir unsere Position erreicht. Zum Ankern ist es zu tief, also driften wir auf der Stelle.

Um 7 Uhr soll die erste Gruppe zu einer Zodiac Fahrt aufbrechen. Ich habe heute mal etwas mehr Zeit und bin erst um kurz nach 8 Uhr dran. Zeit genug, um Frühstücken zu gehen.

Wollte man eine Wunschliste für den Zodiac Cruise aufstellen, so könnte diese wie folgt aussehen:
- Tolles Wetter - Check
- Gletscher - Check
- Fahrt mitten durch ein Eisfeld - Check
- Pinguine - Check
- Wale - Check (einer war vielleicht 20 Meter von Zodiac entfernt)

‍ ‍

Sicherlich einer der Höhepunkte der Reise. Bevor wir zurück aufs Schiff sind gab es übrigens noch eine warme Schokolade mit oder ohne Schuss von einem Verpflegungs-Zodiac.

Zurück an Bord gehe ich erst mal aufs Laufband bevor ich mich daran mache zumindest den ersten Schwung an Fotos auszusortieren.

 

Nach dem Mittagessen will ich nur mal kurz auf den Inspiration Walk und ein paar Bilder machen. Daher ziehe ich mich auch nicht großartig um. Der gefütterte Expeditionsparka sollte reichen.

Nach ein paar Minuten ändere ich meine Meinung und ziehe zumindest noch den Schlauchschal, Handschuhe und Ohrwärmer an. Wir nähern uns dem Lemaire Kanal [] und da werde ich wohl doch noch etwas länger draußen bleiben. Da es noch keine Ansage gab, bin ich in der Poolposition und stehe ganz vorne am Bug.

Wir passieren Una‘s Tits, eine markante Felsformation die den Eingang zum Kanal markiert. Inspiriert hat den Namensgeber eine Verwaltungsmitarbeiterin auf den Falklandinseln Una Spivey geb. Sedgwick. Mittlerweile heißen sie seit 2008 politisch korrekt Una Peaks.

 

Vor dem Kanal liegt wieder die Oosterdam, die wir ja schon bei Point Wild gesehen haben. Sie ist aber mit ihrer Größe und fehlender Eisklasse nicht in der Lage in den Kanal einzufahren. Auch zwei weitere Expeditionsschiffe sehen wir am Anfang und Ende des Kanals. In den Kanal selbst darf immer nur ein Schiff, sodass man sich absprechen muss.

Neben den Felsen und dem Eis gibt es auch wieder Pinguine, Vögel, Buckelwale (wahrscheinlich schlafend, man sieht nur ab und zu ein Stück des Rückens) und Seeleoparden, die es sich auf einer Eisscholle gemütlich gemacht haben.

 

Der Kanal ist an seiner schmalsten Stelle nur 720 Meter breit und so wie wir muss sich auch der Wind durch diese Engstelle quetschen. Dazu muss er beschleunigen und bläst uns nun heftig und eiskalt entgegen.

Nach gut einer Stunde haben wir die Engstelle passiert und man sieht die andere Seite des Kanals. Ich bin total durchgefroren und so gehe ich heute zum dritten Mal unter die Dusche.

 

Um kurz vor 15:30 Uhr erreichen wir Petermann Island wo es noch einmal an Land gehen soll. Bereits aus meiner Kabine sehe ich einen Seeleoparden [] auf einer Eisscholle und wie die Zodiacs der vorherigen Gruppen sich ihm nähern. Sicherheitshalber mache ich noch ein paar Aufnahmen vom Inspiration Walk aus, aber als wir dann losfahren, liegt er immer noch brav auf seiner Scholle und dreht sich nur ein paar mal, um zu schauen was die ganzen Touristen denn von ihm wollen.

 

Wäre Petermann Island eines der ersten Ziele, wäre ich sicher begeistert gewesen. So fällt es in die Kategorie „nimmt man mal mit“. Die Pinguin-Kolonie hat sich schon deutlich verkleinert und auch wenn es die ersten im Schnee sind und es immer noch Spaß macht ihnen zuzuschauen wenn sie ein wenig tölpelhaft umher staksen, so haben wir doch schon Spannenderes gesehen. Auch der Eisbergfriedhof verdient so spät in der Saison seinen Namen nicht mehr wirklich. Der Höhepunkt, neben dem Seeleoparden, war ein junges Skua.

 

Als wir zurückgekommen, ist es auch schon Zeit fürs Abendessen. Ich sitze wieder am Fenster und irgendwie kommt es mir völlig surreal vor. Ich blicke auf tief verschneite oder vergletscherte Berge, im Wasser treibt Eis von kleinen Brocken bis hin zu großen Eisbergen vorbei und währenddessen esse ich ein 5-Gänge Menü auf Sterneküchen-Niveau.

 

Nachdem die Durchfahrt durch den Lemaire Kanal heute Mittag so problemlos möglich war, nimmt der Kapitän den gleichen Weg zurück. Petermann Island war der südlichste Punkt unserer Reise. Immer noch 200 km vom Polarkreis entfernt. Auf der Nordhalbkugel würde dies etwa der Mitte Islands entsprechen.

 

Nach dem Essen gehe ich noch mal an Deck. Während sich heute Mittag die Massen gedrängelt habe, sind nun bei schönstem Licht eine Handvoll Menschen an Deck. Es ist etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang und so weit südlich gibt dies schon schönstes weiches Licht. Von denen die da sind fotografieren die meisten mit dem Handy. Wo sind eigentlich all die Fotografen mit den teuren Kameras?

 

Am nächsten Morgen geht es noch mal nach Neko Harbour, bevor wir uns dann auf den Weg durch die Drake Passage Richtung Südamerika machen. Wie sollte es anders sein, ich gehöre mal wieder zu den „Glücklichen“ die um 6:30 Uhr ins Zodiac steigen dürfen. Neko Harbour ist dann auch unsere zweite Anlandung auf dem Antarktischen Kontinent.

 

Der Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Neko Harbour ist eine wunderschöne Bucht mit einer etwas anspruchsvolleren Anlandung.

Über große Kiesel geht es aus dem Wasser. Man könnte nun etwas oberhalb der Wasserlinie am Strand bleiben. Etwas oberhalb der Wasserlinie, weil in der unmittelbaren Nähe ein Gletscher ist, der regelmäßig kalbt und entsprechende Wellen erzeugt. Nur die wenigsten bleiben direkt hier.

Weiter geht es über einen stark vereisten Pfad nach oben. Heute habe ich auch die Wanderstöcke dabei, ohne wäre es gar nicht gegangen. Nur dumm, dass ich die Eiskrallen für die Schuhe zu Hause gelassen habe. Auf halber Höhe erreicht man die Pinguinkolonie und eine Abzweigung von der man eine alte, verfallene Schutzhütte und vor allem den Gletscher sehen kann. Der weitere Weg ist ebenfalls vereist und führt zu einem Aussichtspunkt auf die Bucht. Dieser soll gut 100 Meter über Meereshöhe sein.

 

Ich gehe zur Kolonie und dem Punkt wo man den Gletscher sehen kann. Ein Stück gehe ich auch noch weiter nach oben, um dann doch umzukehren. Nach oben wäre ich wohl einigermaßen problemlos gekommen. Aber man muss ja auch wieder runter und das ist selbst von hier aus eine ganz schöne Eierei. Der Anfang geht ja noch, aber die letzten Meter muss man über den vereisten Pfad der schon hoch zu problematisch war. Alles geht gut und um 8 Uhr bin ich zurück an Bord.

Ich bin nicht der Einzige, der die Überfahrt mit dem Zodiac genossen hat. Dem Wunsch nach einer spontanen Cruise konnte der Fahrer natürlich nicht nachkommen. Für ein paar extra Schlenker hat es aber dann doch gereicht 😉.

 

Gegen 11 Uhr verlassen wir Neko Harbour und machen uns auf den Weg Richtung Südamerika. Erst geht es noch in langsamer Fahrt aus den antarktischen Gewässern heraus, um dann die berüchtigte Drake Passage [] zu überqueren. Laut Ansage des Kapitäns wird uns ein Tiefdruckgebiet ein paar Wellen schicken, aber bis es da ist sollten wir bereits den Beagle Kanal erreicht haben.

 

Jetzt könnte man ja sagen, dass die lange Rückreise begonnen hat. Für mich beginnt aber eher der dritte Abschnitt mit den Chilenischen Fjorden. Dennoch hat die Hotelabteilung ein Farewell aus der Antarktis organisiert. Bei strahlendem Sonnenschein gibt es auf dem Aussichtsdeck am Bug Prosecco. Sogar ein paar Buckelwale, die uns mit ihrer Flosse goodbye winken haben sie organisiert 😉.

 

 


Next
Next

Deception Island - Eisberge und Pinguine - 9