von der Antarktis an die Pazifikküste Südamerikas - Eisberge und Pinguine - 11

Puerto Williams - Chile
 


14-16.02.2026 - von der Antarktis an die Pazifikküste Südamerikas

Durch eine mäßig schaukelnde Drake Passage geht es mit Volldampf Richtung Norden. Dies ist weder der Drake Lake noch der Drake Shake. Ab und zu spritzt die Gischt mal hoch bis zu meinem Fenster auf Deck 5 und es rumpelt als hätte man einen (hier natürlich nicht vorhandenen) Eisberg gerammt, aber nichts fliegt durch die Gegend oder ähnliches.

Die Drake Passage [], ist die Meeresenge zwischen der Antarktis und Südamerika in der der Atlantische Ozean mit dem Pazifischen und dem Südpolarmeer zusammentrifft. Dies ist eine der gefährlichsten und unberechenbarsten Seegebiete überhaupt. Von Kap Horn und der gefährlichen Umrundung der Südspitze Amerikas hat man vielleicht schon mal gehört - und Kap Horn [] liegt am nördlichen Rand der Drake Passage. Aber natürlich haben die heutigen Schiffe nur noch wenig mit den Segelschiffen vergangener Jahrhunderte zu tun. Trotzdem ist Respekt angebracht. Die letzte Reise der HANSEATIC inspiration wurde einen Tag früher beendet, um einem Unwetter in der Drake Passage auszuweichen.

Der Kapitän lässt uns wissen, dass sich die Pläne für die nähere Zukunft geändert haben. Eigentlich war für Morgen früh nur ein kurzer Halt in Puerto Williams [] vorgesehen, um die Einreiseprozedur für Chile hinter uns zu bringen. Hierfür habe ich mich schon heute Früh online registriert. Nun wird der Aufenthalt aber doch länger dauern, da Sprit an Bord genommen werden muss. Das Tankschiff im ursprünglich vorgesehen Hafen ist defekt.

Wir werden wohl von 9 bis 18 Uhr in Puerto Williams sein, aber ob wir von Bord können ist unklar. Das Wetter soll wohl recht schlecht werden. Naja, viel zu sehen gibt es dort eh nicht.

Ansonsten ist der Seetag recht ereignisarm. Endlich mal wieder Zeit an den Bildern der Reise zu arbeiten 😉.

Am frühen Morgen erreichen wir den Beagle Kanal []. Heute Nacht bin ich ein paarmal aufgewacht weil die Wellen laute Schläge am Schiffsrumpf verursacht haben. Sobald wir aber den Kanal erreicht haben, stabilisiert sich das Schiff und Wellenbewegungen sind kaum noch spürbar.

Wir erreichen recht zeitig Puerto Williams, aber die Hoffnung frühzeitig mit der Treibstoffübernahme beginnen zu können passt nun so gar nicht zu den Chilenischen Vorstellungen. Vor Mittag geht da mal gar nichts, auch wenn das Tankschiff bereits wartet. Wie wir später erfahren sollen, fehlte wohl der zweite Lotse für das Tankschiff.

Dafür sieht das Wetter gut aus und so soll es ab 13:00 Uhr an Land gehen. Das Expeditionsteam hat sich gestern noch drei Wanderungen ausgedacht. Eine 1,5 km lange entlang eines Nature Trails, eine 4 km lange zu einer Lagune und eine 16 km lange mit 600 Höhenmetern zu einem Flaggenposten an einem der umliegenden Berge. Nach der Vorstellung gestern haben sich so viele Passagiere an letzterer Wanderung interessiert gezeigt, dass das Team es wohl etwas mit der Angst zu tun bekommen hat. Jedenfalls haben sie in gleich drei Durchsagen heute Vormittag betont, dass es sich um eine schwierige Wanderung nur für fitte Wanderer mit entsprechenden Erfahrungen handelt. Da noch keiner aus dem Team die Wanderung gemacht hat, wissen sie selbst nicht was auf sie zukommt.

Damit diese Teilnehmer genug Zeit haben, dürfen sie auch zuerst an Land. Dann folgt der Rest Zodiac für Zodiac. Die anderen Wanderungen sind nicht geführt. Hier und da steht ein Mitglied des Expeditionsteams für Fragen bereit, aber ansonsten kann jeder machen was er will.

Ich laufe zur Lagune und schaue mir am Rückweg noch etwas vom Ort an. Dies eine Stadt zu nennen ist nun wirklich lächerlich. Eine Militäreinrichtung, weiße Holzhäuschen in mehr oder weniger gutem Zustand, ein paar Läden und Cafés für die paar Touristen die es hierher verschlägt. Das war es schon - ein ziemlich trostloser Ort. Etwa zwei Stunden bin ich an Land und verbuche es unter „mal etwas Bewegung zwischen zwei Seetagen“, denn morgen geht es durch den Beagle Kanal zur pazifischen Seite Südamerikas.

Unser Ziel ist der Amalia Gletscher [], fast 1000 km entfernt. Dafür werden wir etwa 1,5 Tage brauchen. Nach dem Beagle Kanal wird es durch die Chilenischen Fjorde und anschließend die Magellanstraße [] gehen.

 

Heute gibt es also noch einmal einen Seetag. Das Wetter meint es nicht so wirklich gut mit uns. Das Tiefdruckgebiet, das wir in der Drake Passage erfolgreich vermieden haben, schickt uns Regen und Nebel. Viel von der Landschaft bekommen wir so nicht mit.

Dafür hat die Crew heute eine Sicherheitsübung. Mehrfach angekündigt, damit auch der letzte Gast weiß, dass es uns nicht betrifft. Um 10:30 Uhr ertönt die Durchsage „Foxtrott, Foxtrott - Main Laundry, Firezone B“. Doch in der Übung ist das Feuer nicht unter Kontrolle zu bringen. Erst wird alles für die Evakuierung der Passagiere und des nicht benötigten Personals vorbereitet und schließlich muss das Schiff aufgegeben werden.

Wenn Du also die Durchsage „Foxtrott, Foxtrott“ hörst, bist hoffentlich nicht Du der Grund dafür 🌝.

 

Eigentlich wollte ich ja um kurz nach 10 Uhr in den Fitnessraum. Aber das erste Mal war der richtig voll. So gehe ich also erst noch mal zurück in die Kabine und dann eine Dreiviertelstunde später aufs Laufband.

 

Auch heute gibt es wieder zwei Vorträge von knapp einer Stunde. Einer über den Salpeterabbau in Chile und einer über Gletscherforschung. Ich beschränke mich mittlerweile fast immer auf die Kurzvorträge die im Rahmen des Re/PreCaps gehalten werden. Da dieser Termin zeitgleich zweisprachig stattfindet, wird das Hanseatrium geteilt. Im linken Teil gibt es zuerst in Deutsch den Re/PreCap und im rechten Teil auf Englisch Kurzvorträge zu verschiedenen Themen. Danach wechseln die Vortragenden und wiederholen die Inhalte in der anderen Sprache. Die englischsprachigen Folien haben häufig auch noch Chinesische Übersetzungen, die vermutlich der Tourguide der chinesischen Reisegruppe erstellt hat.

 

Zum Abschluss des Tages habe ich dann noch meinen zweiten Termin im Spezialitäten Restaurant NIKKEI. Erstaunlicherweise ist es nur halb gefüllt. Mittlerweile hat die Speisekarte gewechselt und es gibt Fischspezialitäten. Sehr gut wie fast immer, aber das eigentliche Konzept fand ich dann doch spannender.

 



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