Ins Ferganatal und zurück nach Deutschland - Die Karawane zieht weiter - Usbekistan 2026 - 7

Norbutabiy Mosque - Kokand - Uzbekistan
 


Ins Ferganatal und zurück nach Deutschland

Das Hotel in Tashkent [] ist ja eigentlich ganz schön. Leider ist es komplett auf Reisegruppen ausgelegt, was an sich kein Problem sein muss. Da die internationalen Flüge aber sehr früh gehen, ist die ganze Nacht über ein Kommen und Gehen. Viel geschlafen habe ich dadurch nicht. Kurz nach 5:30 Uhr gebe ich dann auf und gehe unter die Dusche. Frühstück gibt es leider erst in einer Stunde.

 

Um 7:15 Uhr treffen wir uns, um zum Bahnhof zu fahren. Das große Gepäck bleibt im Hotel. Was wir für heute und morgen brauchen, kommt in den Rucksack. Es ist kaum Verkehr, und so haben wir noch fast 45 Minuten im Bahnhof, bevor unser Zug abfährt.

15 Minuten vor der Abfahrt gehen wir zum Zug, der auch schon am Gleis wartet. Mittlerweile verkehren auf einigen Strecken Schnellzüge. Unserer ist aber noch ein klassischer Bummelzug. Die Strecke ins Ferganatal [] existiert noch gar nicht so lange und führt durch die Berge. Für den Rückweg morgen werden wir Autos nehmen und über den Pass fahren.

 

Die erste Stunde gibt es wenig zu sehen. Der Ausblick ist genauso langweilig wie entlang der Autobahn. Danach geht es langsam nach oben, und es wird interessanter. Auf einer Seite gibt es einen Tagesbergbau, ein paar Minuten später auf der anderen Seite einen riesigen Stausee, der von einem reißenden Bergfluss gespeist wird.

Nach gut zwei Stunden gibt es einen Halt in Angren [], und danach führt die Strecke für etwa 20 Minuten durch einen Tunnel, gefolgt von mehreren kleinen. Auf gut 900 Metern Höhe geht es in gemütlichem Tempo weiter durch eine Hochebene Richtung Osten. Langsam geht es dann wieder bergab, die Landschaft wird grüner und langweiliger. Die Geschwindigkeit nimmt zu, und wir erreichen die 110 km/h, die der Zug wohl maximal schafft.

Gegen 12:40 Uhr erreichen wir Kokand [], wo wir heute übernachten werden. Für uns geht es aber noch eine knappe Dreiviertelstunde weiter bis nach Margilan [].

 

Alles in allem war die Fahrt eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Da wären wir besser gestern von Samarkand nach Tashkent mit dem Zug gefahren und hätten den Ausflug ins Ferganatal hin und zurück mit dem Auto gemacht. Da hätten wir auch mal an dem schönen Fluss halten können.

 

Vom Bahnhof geht es mit dem Minibus direkt zum Mittagessen. Bis wir unseren ersten Tagesordnungspunkt, immer noch in Margilan, erreichen, ist es bereits nach 15:30 Uhr. Eine Stunde verbringen wir damit, uns eine Vorführung zur Seidenproduktion anzusehen.

Es ist die übliche Verkaufsveranstaltung, die ich schon in x Ländern gesehen habe. In der Stadt gibt es wohl zwei riesige Fabriken zur Seidenproduktion. Aber die Stoffe und Kleidung in dem großen Laden stammen natürlich alle aus eigener Produktion 😉.

Eine Stunde später sind wir in Rishton. Hier steht eine Porzellanmanufaktur auf der Agenda. Dies ist nun etwas interessanter als der letzte Besuch, aber natürlich bleibt es eine Verkaufsveranstaltung. Der eine oder andere kauft auch eine Kleinigkeit. Um 18:20 Uhr machen wir uns schließlich auf den Weg nach Kokand, das wir um 19 Uhr erreichen.

 

Am nächsten Morgen bin ich auch ohne Wecker früh wach und versuche mich am Online-Check-in für meine morgendlichen Flüge. Für den Flug nach Istanbul hat mich Turkish auf einen Fensterplatz gesetzt. Für eine Änderung verlangen sie selbst beim Check-in ein paar Dollar. Soweit, so schlecht - nur als es ans Bezahlen geht, haben sie keine Lust mehr. Das Ganze endet mit einem „der Boarding Pass konnte nicht erstellt werden, bitte melde dich am Counter“. Dort werde ich dann morgen feststellen, dass es hier so etwas wie einen Baggage-Drop-off gar nicht gibt. Den Online-Check-in kann man sich also sparen.

 

Das Ganze hat natürlich seine Zeit gekostet. Trotzdem hätte ich noch vor dem Frühstück rausgehen und ein paar Fotos machen können. Schließlich starten wir auch heute erst um 9 Uhr. In der Nähe des Hotels gibt es aber nur den Palast. Der Rest der Gegend gibt, wie ich gestern auf dem Weg ins Restaurant gesehen habe, nichts her. Also schenke ich mir das Ganze.

 

Heute haben wir einen PKW und einen etwas kleineren Minibus. Die Größe, die wir gestern hatten, darf nicht über den Bergpass. Ich sitze wieder mit einem aus der Gruppe und unserem Guide im PKW. Fun Fact: Busse dürfen zwar nicht über den Pass. Schwere LKW aber schon.

 

Als Erstes geht es mal wieder zu einer Koranschule. Direkt daneben gibt es einen großen Friedhof mit alten und neueren Gräbern. Der Bereich der alten Schahgräber [] hat eine Halle mit schöner Decke.

 

Von hier geht es zum lokalen Basar. Dieser ist jetzt deutlich mehr nach meinem Geschmack als z.B. der in Samarkand. Das Ferganatal liegt abseits der üblichen Touristenrouten. Ein paar waren gestern mit uns im Zug, und zwei habe ich abends im Restaurant gesehen. Das war es dann aber auch schon. Dies führt dazu, dass sich dieser Markt an die lokale Bevölkerung richtet. Es gibt zwar die üblichen Süßigkeiten, Gewürze und Nüsse. Hauptsächlich gibt es aber Grundnahrungsmittel: Obst, Gemüse, Reis, Fleisch, …

Im hinteren Teil gibt es einen regelrechten Großmarkt. Ganze LKW mit Zwiebeln verkaufen diese säckeweise an Händler, die ihre Minibusse damit füllen. Auch Reis und anderes wird direkt aus großen Säcken heraus verkauft.

 

Über die Freitagsmoschee [] mit ihren Holzsäulen und Kassettendecke geht es zu dem Hausmuseum von Khamza Khakimzade Niazi [], einem lokalen Schriftsteller und Dichter. So langsam verliere ich die Lust. Ich höre mir die Geschichten schon gar nicht mehr an, sondern verziehe mich in den Innenhof und schreibe an diesem Bericht.

 

Um 12 Uhr erreichen wir das letzte Ziel hier in Kokand, den alten Herrscherpalast [] - oder vielmehr die Hälfte, die noch erhalten ist. Der komplette Harem existiert nicht mehr. Auf dem ehemaligen Marktplatz vor dem Palast hat man einen repräsentativen Garten angelegt. Der Palast selbst hat wieder einige schöne Decken und Wände, aber nichts, was wir in den letzten beiden Wochen nicht schon gesehen hätten. Auch hier verzichte ich auf die Führung durch das fast schon obligatorische Museum, schaue mir die Teile, die mich interessieren, selbst an und warte dann auf einer schattigen Bank im Innenhof.

 

Gegen 12:45 Uhr machen wir uns auf den Weg in die Berge. Hiermit beginnt nun auch der Rückweg nach Tashkent und weiter nach Deutschland.

Die Passstraße wurde wie die Bahnlinie 2016 fertiggestellt und ist in gutem Zustand. Auch im weiteren Verlauf Richtung Tashkent wird die Straße deutlich besser sein als im Westen Usbekistans. Kurz hinter dem Pass gibt es noch mal einen Fotostop, Kaffee und Kuchen. In Tashkent fahren wir direkt zum Restaurant für ein frühes Abendessen. Morgen müssen die meisten früh aufstehen, um den Flieger zu erreichen.

Um 19:45 Uhr bin ich im Hotel. Nun noch Bilder sichern und den Koffer für die Reise umpacken. Und dann hoffentlich noch ein bisschen Schlaf finden, bevor der Wecker mitten in der Nacht klingelt.

 

Ich konnte tatsächlich ein paar Stunden dösen. Gegen 1:30 Uhr bin ich dann aber endgültig wieder wach. Früher als eigentlich geplant, aber ok. Als ich in der Lobby auftauche, kommt doch tatsächlich unser Guide. Eigentlich hatten wir uns schon gestern Abend verabschiedet. Er wollte nur noch mal bei denen vorbeischauen, die später fliegen.

Für die ganz frühen Flüge sind wir nur zu dritt. Aber es ist gut, dass er da ist. Unser Fahrer hätte den Abholzeitpunkt vergeigt. So ist er nur 5 Minuten zu spät, und wir machen uns um 3:05 Uhr auf den Weg zum Flughafen.

 

Die Schlange bei Turkish Airlines ist zwar lang, aber bewegt sich regelmäßig. Meine ganzen Aktionen gestern Morgen waren für die Katz. Ich sitze auf der ersten Teilstrecke doch am Fenster.

Die Sicherheitskontrolle ist leer, dafür darf ich dann den Rucksack einmal komplett ausräumen. Die Stunde bis zum überpünktlichen Boarding geht auch vorüber. Mit 15 Minuten Verspätung heben wir ab. Trotzdem sind wir pünktlich in Istanbul.

 

Hier habe ich jetzt eine Stunde, bevor das Boarding nach Frankfurt beginnt. Diesmal müssen die Transitpassagiere durch die Security. Von Frankfurt kommend konnte man einfach durchlaufen. Da gibt es wohl einen Vertrauensvorschuss.

Was sich all die Jahre nicht geändert hat, ist, dass Turkish Airlines Flieger mit den unterschiedlichsten Ausstattungen verwendet. Der Flieger nach Frankfurt ist mindestens eine, wenn nicht zwei Generationen älter als die Maschine, die ich auf dem entsprechenden Hinflug hatte.

Obwohl wir mit 25 Minuten Verspätung starten, kommen wir pünktlich in Frankfurt an, irren jedoch auf dem Vorfeld herum, bis wir ein Gate zum Andocken finden. Eine Boeing der Lufthansa hat an ihrem Gate das Frontfahrwerk eingezogen und liegt mit der Nase auf dem Boden. Dutzende Feuerwehr- und andere Einsatzfahrzeuge stehen drum herum und blockieren den Weg.

 

Zu meiner großen Verwunderung kommt das Gepäck diesmal relativ schnell. Unser Flieger scheint aber die Ausnahme gewesen zu sein. Die beiden Familien, die mit mir im Shuttle zum Parkplatz waren, beschweren sich jedenfalls, dass sie die für Frankfurt obligatorische Stunde aufs Gepäck warten mussten.

 



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