Pico Arieiro und der Norden - Madeira, Schweizer Käse im Atlantik - 3

Pico Arieiro - Madeira - Portugal
 


31.08.16 - Pico Arieiro und der Norden

So, jetzt ist Schluss mit dem Faulenzen. Nach einem guten Frühstück - heute ohne Sekt - übernehmen wir unser Auto und fahren auf den Pico Arieiro, den dritthöchsten Berg Madeiras. Wir haben diese Tour ausgewählt, weil hier keine längere Klettertour für die Besteigung des Gipfels notwendig ist. Sozusagen als Einstieg.

 

Knapp unterhalb des Gipfels ist ein großer Parkplatz, wo auch Touristenbusse stehen können. Links oder rechts am Souvenirladen vorbei geht es die letzten Höhenmeter zum Gipfel. Als wir ankommen haben wir wunderbares Wetter und daher auch eine gute Aussicht. Warm ist es auch, aber der Wind zeigt uns schon, dass es empfindlich kalt werden kann.

Knapp unterhalb des Gipfelkreuzes kann man zum Miradouro Ninho da Manta, dem „Bussardnest“ und noch deutlich darüber hinaus wandern. Erst geht es geradeaus, dann viele, schmale Stufen runter und wieder rauf.

Irgendwann bekommt Freya Bedenken wegen ihrer Knie und geht langsam wieder zurück zum Gipfelkreuz.
Dort hat sie viel Spaß an der über und über tätowierten jungen Frau mit Rastalocken, die den Mann in ihrem Gefolge „mein Hase“ ruft. Wahrscheinlich, weil er unter so extremer Höhenangst leidet, dass er noch nicht einmal über den gesicherten Bergrücken laufen kann. Jetzt sind Höhenängste Freya nicht völlig fremd, doch in diesem Ausmaß hat sie das noch nie gesehen.

 

Jürgen läuft dagegen bis zum Aussichtspunkt und weil es so interessant ist noch ein Stückchen darüber hinaus. Würde Freya nicht warten wäre es nicht bei dem Stückchen geblieben 🌝.
Sind wir noch bei schönstem Wetter gestartet, so dauert es hier nur wenige Minuten bis sich die Wolkendecke unter einem geschlossen hat und der Nebel anfängt die Gipfel zu erklimmen. Sogar einen Regenbogen auf den man hinuntersehen kann gibt es zu entdecken. Der Rückweg mit den vielen Treppenstufe zieht sich dann ganz schön.

Bevor wir weiterfahren essen wir am Auto von der gekauften Frucht, die von der Monstera. Ziemlich klebrige Sauerei - aber lecker.

Anschließend fahren wir weiter Richtung Nordküste. Wir haben unser Navi mitgenommen, die Sprache aber auf Deutsch belassen. Der Versuch die, relativ langen, Straßen- und Ortsnamen entsprechend deutscher Sprachlogik anzusagen bringt uns immer wieder zum Lachen.

 

Die Gegend würde Freya als Rheingau hoch 3 bezeichnen. Enge Gassen, Weinterrassen und Felder, kleine Parzellen mit unterschiedlichen Gemüse- oder Obstsorten. Bananen, Wein, Kohl - alles da. Auf jedem der vielen Gipfel steht oben ein Haus und eine Steigung von 11% ist keine Seltenheit. Entlang der Straßen wächst Agapanthus, die afrikanische Liebesblume, wie Unkraut. Wunderbar.

 

Unser nächstes Ziel ist in der Nähe von Santana, in Sao Jorge. Wir parken am Parkplatz zum Meeresschwimmbad, wo die Jugend sich teilweise recht abenteuerlich vom Felsen ins Wasser stürzt.

Wir wollen zu dem Punkt, wo früher die Fähren angekommen sind. Der Weg führt an einigen, teils verfallenen, Häusern vorbei und wird dann schnell schmaler, da er hier an manchen Stellen weggebrochen ist. Wir sind bestimmt 20 Meter hoch und rechts unter uns der Atlantik, der türkis leuchtet und so klar ist, dass wir von hier oben die großen Fische erkennen können. Links an der Felswand wachsen Dickblattgewächse, die teilweise ununterbrochen von Wasser berieselt werden, das sich hier den Weg nach unten sucht.

 

Nach etwa einer halben Stunde können wir die Landspitze erkennen wo ein gutes Stück unter uns früher Schiffe angelegt haben. Wenn man sich vorstellt, dass dann alle mit ihren Waren erst mal den Berg hinauf mussten …

Nach unserem Aussichtspunkt auf die Landspitze wird der Weg zum Ponton noch einmal erheblich schmaler. Freya schüttelt den Kopf. Da hat sie Schiss und Jürgen bricht nach einem 10minütigen Versuch ab, weil er sich für diesen Weg nur die Turnschuhe angezogen hat und die Kieselsteine auf dem ungesicherten Weg nach unten nicht wirklich Halt bieten. Freya ist froh darüber, weil sie kaum hingucken konnte, wie er da rumgeeiert ist.

 

Dann laufen wir eben zurück und machen Halt bei den Ruinen am Strand, die Jürgen alleine erkundet. Freya beobachtet stattdessen die vielen Eidechsen und nimmt sich eine Hand voll von den wild wachsenden Trauben. Auch Jürgen hat Trauben entdeckt und bringt eine Handvoll zu ihr. Der Blick durch das malerisch zerfallene Tor am Meer rundet den Spaziergang ab.

Mittlerweile ist es schon einigermaßen spät und wir überlegen uns, ob wir noch eine kurze Tour machen sollen. Jürgen hat da noch etwas rausgesucht und ja, wir wollen noch ein bisschen laufen.

Da wir ja sowieso in der Nähe sind, fahren wir nach Santana und von dort aus in Richtung Pico Ruivo. Start ist der Parkplatz von Rancho Madeirense, einem Hotel im Stil der Santana Häuschen.

Am Ende des Parkplatzes kommt man direkt zur Levada, neben der ein Weg durch den Wald führt. Jetzt parken wir auf dem Schotterparkplatz und laufen los. Hortensien, Schmucklilien und Montbretien gibt es hier und an etwas dunkleren Stellen auch viel Moos.
Jetzt noch ein bisschen Nebel oder Regen und man hätte sich glatt im Olympic National Park befinden können - ok, eingefasste Wasserkanäle gab es da nicht.
Der eher untypisch gut ausgebaute, breite Weg endet an einem anderen Parkplatz der wohl zu einem Tierpark gehört. Den lassen wir aus und kehren wieder um.

Bevor wir an den Parkplatz gekommen sind hat Freya Jürgen gezwungen mal kurz an der Straße zu halten wo Straßenarbeiter die entlang der Straße wachsenden, verblühten Agapanthen abgeschnitten und auf große Haufen geworfen haben. Jetzt packt sie sich ein paar reife Samen zum Mitnehmen in eine Tüte. Sie sammelt eben gerne 🌝.

 

Zurück zum Hotel geht es über die gut ausgebaute Straße, die hier Autobahn heißt, auf der man aber auch 50 km/h oder noch langsamer fahren darf. Abends sind wir dann noch bis zur Pizzeria Garbosol gelaufen, die zu einem Resort in der Nähe gehört. Die Pizza war ganz ok, aber wir bedauern ein wenig keinen Hunger mehr für den lecker aussehenden Nachtisch zu haben.

 

Nachts hat sich Freya leise auf Jürgens Seite geschlichen und ein paar Geburtstags-Gummibärchen auf seinen Nachttisch gelegt. Morgen ist nämlich der 1. und Jürgen wieder ein Jahr älter.



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